8. November 2019 12:33

Politik

Landeschefs wollen mehr Medizinstudenten

Die Landeshauptleute fordern eine "deutliche Anhebung" der Studienplätze für angehende Mediziner. Dies sei ein "klarer Auftrag" an die neue Bundesregierung, erklärte Niederösterreichs Landeschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), derzeit Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz. Schließlich steuere man im Bereich Pflege und Gesundheit auf einen "veritablen" Fachkräftemangel zu.

"Wir erwarten uns, dass die neue Bundesregierung rasch und schnell agiert", erklärte Mikl-Leitner bei dem Treffen in Wiener Neustadt. Die von ihr im Vorfeld erhobene Forderung nach einer Verdoppelung der Ausbildungsplätze wollte sie hingegen nicht wiederholen. Der Beschluss der LH-Konferenz sei einstimmig gefallen.

Ein "wichtige Begleitmaßnahme" werde zudem sein, die ausgebildeten Mediziner dann auch in den ländlichen Raum oder in die Bedarfsregionen zu bringen. Dies könne z.B. mithilfe von Stipendien erreicht werden, so Mikl-Leitner. Etwa sollten Studenten dann ein Stipendium bekommen, wenn sie sich verpflichten, in Bedarfsregionen zu gehen.

Die Kritik der Universitäten an den Plänen führte Mikl-Leitner auf die Frage der Finanzierung zurück. Selbstverständlich könne sie die "Sorge" der Hochschulen verstehen. Der Ausbau der Studienplätze müsse daher auch mit der "entsprechenden finanziellen Ausstattung" gekoppelt werden. So könne die Qualität der Ausbildung gehalten werden. Mikl-Leitner sah für den Vorschlag Unterstützung in Teilen der Ärztekammer und Patientenanwälten.

Nicht erfreut von der Forderung zeigte sich die Universtätenkonferenz (uniko). Die Pläne seien weder "durchdacht noch realisierbar, geschweige denn finanzierbar", hatte uniko-Präsident Oliver Vitouch während der LH-Konferenz betont. Der punktuelle Mangel an Ärzten habe seine Ursache "nicht in der Zeit vor, sondern nach dem Studium". Er fuße in einem Verteilungsproblem zwischen Stadt und Land, Spitälern und Praxen, argumentierte Vitouch. Die Aufstockung von Studienplätzen sei daher ein "untaugliches Mittel".

Der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, der ebenfalls Mitglied des uniko-Präsidiums ist, befürchtet wiederum, dass eine Verdoppelung der Studienplätze das österreichische Privileg der mit der EU verhandelten 75-Prozent-Quote für heimische Studienplätze gefährden und die Wettbewerbsfähigkeit der Universitäten belasten würde. Das verschlechterte Betreuungsverhältnis hätte auch negative Auswirkungen auf Forschung und Patientenbetreuung an den Universitätskliniken.

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