11. Januar 2020 15:11

Politik

Langjähriger Herrscher des Oman gestorben

Nach einem halben Jahrhundert an der Macht ist der Herrscher des Oman gestorben. Sultan Qaboos bin Said starb am Freitag im Alter von 79 Jahren, wie das Königshaus am Samstag mitteilte. Zum Nachfolger wurde sein Cousin ernannt, der bisherige Kulturminister Haitham bin Tariq. Dieser kündigte nach seiner Vereidigung an, er wolle in der Außenpolitik den Kurs der Nichteinmischung fortsetzen.

"Mit großem Kummer und tiefer Trauer beklagt das Königshaus Seine Majestät Sultan Qaboos bin Said, der am Freitag verstorben ist", hieß es in der offiziellen Erklärung. Qaboos war bereits seit längerer Zeit krank, Diplomaten zufolge litt er an Darmkrebs. Mehrere Krankenhausaufenthalte in Deutschland hatten bereits Besorgnis über seine Nachfolge und die Stabilität in dem kleinen Golf-Staat ausgelöst.

Tausende Menschen versammelten sich am Samstag in der Großen Moschee von Maskat zur Trauerfeier. Mehrere Männer trugen seinen Sarg und bahnten sich den Weg durch die Trauernden, wie das Staatsfernsehen berichtete. Anschließend wurde der Sultan auf dem königlichen Friedhof von Oman beigesetzt.

Qaboos war der am längsten regierende arabische Monarch. Er saß seit knapp 50 Jahren auf dem Thron des Sultanats im Osten der Arabischen Halbinsel. Am 23. Juli 1970 bestieg er den Thron, nachdem er seinen Vater abgesetzt hatte, dem er vorwarf, nichts gegen die Rückständigkeit seines Landes zu unternehmen. Gleich nach seinem Amtsantritt begann Qaboos, das kleine Sultanat zu modernisieren.

Unmittelbar nach der Meldung des Todes von Sultan Qaboos begannen Spekulationen über seine Nachfolge, da er keinen Thronfolger hinterließ. Qaboos war unverheiratet, hatte keine Kinder und keine Brüder. Die Verfassung des Landes sieht vor, dass die Königsfamilie binnen drei Tagen einen Nachfolger bestimmt. Wie der Kommentator des staatlichen Fernsehens berichtete, entschied die Königsfamilie, einen Brief des Verstorbenen zu öffnen, in dem dieser seinen Nachfolger bestimmte.

Der 65-jährige Haitham bin Tariq war einer der Favoriten für die Nachfolge. Er legte seinen Amtseid ab, nachdem eine Versammlung der Königsfamilie die Entscheidung des verstorbenen Sultans für seine Nachfolge gebilligt hatte, wie die Regierung im Online-Dienst Twitter mitteilte. In seiner ersten Ansprache kündigte er an, sein Land werde weiterhin "friedliche Lösungen" für die regionalen und internationalen Krisen "bevorzugen". Zu seinen innenpolitischen Herausforderungen gehören ein hohes Budgetdefizit, eine hohe Auslandsverschuldung sowie eine hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Der verstorbenen Sultan Qaboos hatte den Oman von einem rückständigen Land zu einem modernen Staat entwickelt. Dabei verfolgte er eine moderate, aber aktive Außenpolitik. Wegen seiner Neutralität galt der Oman als "die Schweiz des Nahen Ostens". So spielte das Land eine Rolle beim internationalen Atomabkommen mit dem Iran, behielt aber zugleich seine Mitgliedschaft im von Saudi-Arabien angeführten Golf-Kooperationsrat.

Im Gegensatz zu anderen arabischen Staaten wandte sich der Oman auch nicht gegen den Friedensvertrag Ägyptens mit Israel 1979. 2018 reiste der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu überraschend zu Gesprächen mit Qaboos in Maskat. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush würdigte Qaboos als "stabile Macht im Nahen Osten und einen starken US-Verbündeten".

Die Europäische Union sicherte dem Oman die weitere Zusammenarbeit zu. In einem gemeinsamen Beileidsschreiben versicherten ranghohe EU-Politiker am Samstag: "Die Europäische Union wird weiter an der Festigung einer starken und dauerhaften Partnerschaft mit dem Sultanat Oman und seiner Bevölkerung arbeiten." Unter der Führung von Qaboos habe der Oman eine Ära nie gesehener Reformen erlebt, die den Lebensstandard der Bevölkerung verbessert hätten, schrieben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel gemeinsam mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Die Außenpolitik des Sultans habe den Oman zu einem der engsten EU-Partner in einer Region voller Konflikte und Spannungen gemacht. Sein Verlust werde jahrelang betrauert werden, heißt es in der EU-Erklärung.

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