7. Januar 2020 14:08

Politik

Libyens Regierungschef bemüht sich um Rückhalt bei Algerien

Im sich zuspitzenden Konflikt in Libyen bemüht sich die Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj um politischen Rückhalt in der Region. Al-Sarraj besuchte am Montag das benachbarte Algerien und traf sich dort mit Präsident Abdelmadjid Tebboune.

Dieser erklärte die libysche Hauptstadt Tripolis zu einer "roten Linie", die nicht überschritten werden dürfe, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur APS am Dienstag. Die Krise müsse durch eine Rückkehr zum politischen Dialog gelöst werden, sagte Tebboune.

Die Sarraj-Regierung hat ihren Sitz in Tripolis. Der mächtige General Khalifa Haftar, der weite Teile Libyens kontrolliert, hat eine Offensive auf die Stadt angeordnet. Haftar genießt den Rückhalt Ägyptens, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate und soll auch von Russland unterstützt werden. Die Sarraj-Regierung wird dagegen von den Vereinten Nationen anerkannt und von der Türkei und Katar unterstützt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntag erklärt, Truppen nach Libyen entsandt zu haben.

Parallel zu Al-Sarraj war auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu zu Besuch in Algerien und traf sich dort mit seinem algerischen Amtskollegen Sabri Bukadum. "Wir sind entschlossen, unsere bilateralen Beziehungen noch mehr auszuweiten. Wir hatten einen fruchtbaren Meinungsaustausch über regionale Entwicklungen, allen voran über Libyen", twitterte Cavusoglu.

Algerien ist das flächenmäßig größte Land Afrikas. Algerien hofft wie Tunesien auf eine politische Lösung für den Bürgerkrieg in Libyen. Beide Nachbarn sind an dem Konflikt nicht direkt beteiligt, fürchten aber, dass durch einen Zerfall des Staates auch Extremisten von Terrororganisationen über ihre Grenze kommen könnten.

Mit der libyschen Regierung verbündete Milizen zogen sich unterdessen am Dienstag nach eigenen Angaben komplett aus der Hafenstadt Sirte zurück. Damit habe man ein Blutbad verhindern wollen, heißt es in einer Mitteilung der sogenannten Sirte Schutztruppe, einer mit der Regierung in Tripolis verbündeten Miliz. Es habe keine Verluste gegeben.

Am Vortag hatten Milizen des libyschen Generals Khalifa Haftar die Eroberung Sirtes erklärt. Haftar hat damit im Kampf um die von der UNO anerkannte Regierung in Tripolis nach Einschätzung von Beobachtern einen wichtigen Sieg errungen.

Sirte liegt im Zentrum der libyschen Mittelmeerküste und war bisher von den Truppen der Regierung kontrolliert worden. Haftars sogenannte Libysche Nationalarmee versucht derzeit, auch Tripolis zu erobern. Der General wird etwa von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt. Die Türkei hatte dagegen am Sonntag erste Soldaten nach Libyen entsandt, um die von der UNO anerkannte Regierung des Vorsitzenden des Präsidialrates, Fajes al-Serraj, zu unterstützen.

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