16. Januar 2020 16:00

Kultur

Lunacek will "natürlich" mehr Budget für Kultur

Seit Silvester weiß sie von ihrem neuen Aufgabengebiet - das sie offiziell erst zugewiesen bekommt -, vor einer Woche wurde sie angelobt, und nun hat sie auch ihr neues Büro bezogen. Als Kunst- und Kulturstaatssekretärin sucht die langjährige Europapolitikerin Ulrike Lunacek (Grüne) auch räumlich den direkten Kontakt zu ihren Expertinnen und Experten und residiert am Wiener Concordiaplatz.

"Ich bin die Erste, die ihr Büro direkt in der Kunst- und Kultursektion hat", sagt Lunacek im Interview mit der APA. "Und ich bin die Erste zumindest der letzten 20 Jahre, die ausschließlich dafür zuständig ist." Zwar werde sie den für Sport, Öffentlichen Dienst und Kultur zuständigen Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) wohl hin- und wieder im Parlament oder bei Veranstaltungen vertreten, aber künftig "nicht aktuelle Europapolitik machen": "Ich werde den Großteil meiner Arbeit also der Kunst und Kultur widmen."

Die Tatsache, dass Kunst und Kultur in der im Parlament abgegebenen Regierungserklärung weder beim Kanzler noch beim Vizekanzler Erwähnung gefunden hat, quittiert sie mit dem Hinweis, dass sich das Kapitel im umfangreichen Regierungsprogramm sehr wohl zentral niedergeschlagen habe. Kritik an ihrer mangelnden Erfahrung in dem Bereich habe sie auch in ersten Gesprächen mit Kulturschaffenden verschiedentlich gehört, gibt Lunacek zu, meint aber: "Es mag auch ein Vorteil sein, dass ich unvoreingenommen hineingehe."

In jedem Fall hat die Tochter eines ehemaligen Wiener Sängerknaben ("Ich bin mit klassischer Musik aufgewachsen. Nicht, dass es mir immer gefallen hat"), die sich früher privat zeitweise intensiv mit Pantomime und Tanz beschäftigt hat, vor, sich viel Zeit für Gespräche nehmen. Ziel ist es, sich über die anstehenden Probleme ein Bild zu machen, aber auch jene Kommunikationsbereitschaft, die ihre Vorgänger vorwiegend bloß signalisierten, zu leben: "Meine Tür wird offen sein." Ob dafür Jour Fixes, Open Houses oder Ähnliches eingeführt werden, sei noch Gegenstand von Überlegungen.

"Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, in den nächsten drei Monaten in alle Bundesländer zu reisen", so Lunacek. Mit den Kulturzuständigen der Landesregierungen wolle sie möglichst bald eine gemeinsame Arbeitsgruppe zur Verbesserung der arbeits- und sozialrechtlichen Absicherung von Kulturschaffenden ins Leben rufen - etwas, das die Grün-Politikerin als eines ihrer vordringlichsten Ziele nennt. Zu ihren Top-Drei-Vorhaben gehören auch der Ankauf des KZ Gusen im Jahr der 75-Jahr-Feiern der Zweiten Republik sowie die Einbeziehung von klimaschonenden Aspekten in Bau- und Renovierungsvorhaben im Kulturbereich - schließlich hat ja auch ein "Konjunkturpaket für Kultur- und Gedenkstätten" Eingang in das Regierungsprogramm gefunden.

"Und natürlich ist es mein Ziel, dass es mehr Budget geben muss." Was Lunacek auf jeden Fall vermeiden will, sind Verteilungskämpfe in der Kulturbranche. "Diese Idee, dass immer jemand verlieren muss, ist nicht mein Konzept von Politik. Es gibt auch Win-Win-Situationen." Das "hoffentlich" in den kommenden Budgetverhandlungen mit dem einstigen Kulturminister und nunmehrigen Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) herausgeschlagene Kultur-Plus soll vor allem jenen im "Mosaik der vielfältigen Kunst- und Kulturlandschaft" zugutekommen, die bisher am Rande der Selbstausbeutung arbeiten.

Bei den großen Institutionen ist Lunacek deutlich skeptischer. Die zusätzliche Bundesmillion, auf die etwa die künftige Wiener Volkstheater-Direktion hofft, scheint etwa noch lange nicht gesichert. "Ich weiß, dass es sehr viel mehr Wünsche gibt als wir finanzieren können. Ich werde überall das Gespräch suchen. Und dann entscheiden. Auch wenn diese Entscheidungen dann vielleicht nicht allen gefallen."

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) wird etwa nach Eva Blimlinger auch von Lunacek zu hören bekommen, dass in Salzburg wohl kein Fotomuseum des Bundes gebaut wird. Und das Team des "Haus der Geschichte Österreich" (hdgö) muss noch weiterzittern. "Ich hoffe, dass ich bis Ende des Jahres weiß, wie es weitergehen kann." Sicher ist nur: Der Status quo hat keine Zukunft: "Ein verstecktes Museum für österreichische Geschichte, das geht nicht."

Richtung Bundesmuseen, die in eine zusätzliche Holding-Struktur eingebettet werden sollen, beruhigt die neue Staatssekretärin: "Die Autonomie wird nicht angetastet. Es geht dabei vor allem um Gebäudeverwaltung, Ticketing und Kollektivvertragsfähigkeit."

Die Abschlussfrage, ob sie sich wie einst die frühere Ministerin und zeitweise ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter nun auf mehr "Wohlfühltermine" in der Kultur freue, quittierte Lunacek mit einem herzhaften Lachen. "Ich freue mich tatsächlich, dass ich künftig viel mehr Kulturtermine wahrnehmen kann als zu der Zeit, als ich häufig zwischen Brüssel, Straßburg und Wien gewechselt bin. Und nun darf ich das nicht nur, sondern muss ich das auch. Dabei werde ich aber sicher nicht nur bei den Premieren, sondern auch bei vielen anderen Terminen oder zwischendurch auch einmal in Galerien anzutreffen sein."

Kultur sei für sie weniger das Repräsentative, sondern auch "das Widerständige, das anregt, aufrüttelt, mitdenken lässt und neue Ideen-Impulse gibt für Leben, Politik und Gesellschaft." Das wolle sie auch vermitteln, meint die neue Staatssekretärin.

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