1. Januar 2020 16:26

Sport

Marius Lindvik triumphiert in Garmisch - Huber Sechster

Österreichs Skispringer haben beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen erneut keine Sternstunde erlebt. Beim Sieg von Überraschungsmann Marius Lindvik aus Norwegen vor dem deutschen Lokalmatador Karl Geiger spielten die ÖSV-Springer nur Nebenrollen mit Daniel Huber als Bestem (6).

Stefan Kraft (13.) und Philipp Aschenwald (25.) erlebten auf der Olympiaschanze entscheidende Rückschläge im Kampf um die Gesamtwertung der Vierschanzentournee. Die Chance auf einen ÖSV-Stockerlplatz bei der 68. Auflage ist vor den zwei Heimbewerben in Innsbruck und Bischofshofen nur noch gering.

Ryoyu Kobayashi behielt vor 21.000 Zuschauern in Bayern die Führung und damit weiter alle Trümpfe für eine Titelverteidigung in der Hand. Der Japaner verpasste aber die historische Chance, als erster Springer sechs Tournee-Bewerbe in Folge zu gewinnen. Zur Halbzeit liegt Kobayashi 6,4 Punkte vor Geiger und 8,6 vor dem erneut drittplatzierten Polen Dawid Kubacki.

Lindvik feierte mit dem Vorsprung von 4,8 Punkten seinen Premieren-Weltcupsieg. "Es könnte keinen besseren Start ins Neue Jahr für mich geben", sagte der 21-jährige Juniorenweltmeister. Er legte den Grundstein zu seinem ersten Weltcupsieg im ersten Durchgang, als er gute Bedingungen zu einem überragenden 143,5-m-Flug nutzte und Simon Ammanns Schanzenrekord von vor zehn Jahren einstellte.

Ein solches Luftpolster erwischte der zu aggressiv springende Kraft (129 m) wie die danach kommenden Quali-Besten nicht. Auch Aschenwald konnte mit dem Rückenwind und gestiegener Erwartungshaltung nach gewonnenem Probedurchgang nicht umgehen. Der Oberstdorf-Sechste landete nach einem Skipendler nach 124 m.

Kobayashi und Geiger, die Nummern eins und zwei von Oberstdorf, lösten die schwierige Situation hingegen gut (132 m). "So wie Karli und Kobayashi springen, wird es schwer sein, sie einzuholen", sagte ein ernüchtert wirkender Kraft nach dem Bewerb. Zur Halbzeit fehlen ihm 33,5 Punkte. "Auf das schaue ich gar nicht. Vielleicht ist ein Wunder möglich, aber das ist schon ein Riesenbrocken."

Am besten auf der Olympiaschanze kam ausgerechnet Huber zurecht, der in Oberstdorf noch an der Qualifikation für die Top-50 gescheitert war. "Es war für mich schwierig, da herzukommen und volles Selbstvertrauen zu zeigen", gestand der Salzburger. Die Moral ist nun freilich gestärkt. "Ich bin mit dem Tag sehr zufrieden."

Michael Hayböck (28.) und Jan Hörl (29.) holten Weltcuppunkte. Für Gregor Schlierenzauer (124,5 m) war erneut nach verlorenem K.o.-Duell mit Kraft nach dem ersten Durchgang Schluss. Der Tross übersiedelt nun nach Österreich, wo nach einem Ruhetag am Freitag (14.00 Uhr/live ORF1) die Qualifikation für das Bergiselspringen steigt.

Unterdessen entschuldigten sich die Skisprung-Organisatoren der 68. Vierschanzentournee haben sich für Pannen in den vergangenen Tagen. Pressechef Ingo Jensen sagte stellvertretend für das Organisationskomitee am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen: "Es ist nicht die Art und Weise, wie die Tournee die Sportler behandeln sollte. Wir müssen uns verbessern. Entschuldigung, so etwas sollte nicht wieder vorkommen."

Bei der zweiten Station der Tournee waren mehrere Versäumnisse zusammengekommen, was unter anderem Norwegens Trainer Alexander Stöckl via Twitter monierte. "Neujahrsspringen Garmisch 2019/2020: Von außen gut organisiert, aber das war es", schrieb der Österreicher Stöckl.

Erklärend und mit Gruß an die Veranstalter in Garmisch-Partenkirchen fügte er hinzu: "Vorspringer schlafen im Hotelflur, keine Container für kleine Nationen. Ich bin nicht amüsiert, Herr Präsident." In der norwegischen Zeitung "VG" nannte Stöckl die Verhältnisse gar "einen Skandal".

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