9. März 2020 22:23

Chronik

Mehr als 140 Coronavirus-Fälle in Österreich

Am Montag ist die Zahl der Coronavirus-Infizierten in Österreich auf über 140 gestiegen. Die meisten Fälle gibt es laut Gesundheitsministerium in Niederösterreich, gefolgt von Wien und Tirol. Die wenigsten Infizierten - nämlich einen - gibt es in Kärnten. Die Uni Innsbruck macht unterdessen aufgrund der Coronavirus-Situation vorerst die Schotten für Lehrveranstaltungen dicht.

Ab Dienstag würden keinerlei Lehrveranstaltungen mehr in den Universitätsräumlichkeiten stattfinden, sondern soweit möglich mittels digitaler Mittel durchgeführt werden, hieß es in einem der APA vorliegenden internen Mail-Verkehr. Ab sofort würden alle Lehrveranstaltungen an der Universität von Präsenzlehre auf Fernlehre umgestellt, hieß es. Dies sei von der Universitätsleitung in Abstimmung mit den zuständigen Tiroler Landesbehörden und den anderen Tiroler Hochschulen sowie in Rücksprache mit dem Bundesministerium beschlossen worden.

"Es soll jedenfalls sichergestellt werden, dass trotz dieser Maßnahme der Lehrbetrieb so weit wie möglich weitergeführt wird. Studierenden wird daraus auf alle Fälle keinerlei Nachteil für Ihren Studienverlauf entstehen", erklärte Rektor Tilmann Märk in dem Schreiben. Diese Maßnahme solle die Verbreitung des Virus eindämmen, weshalb "gebeten wird, dass Studierende die Universitätsräumlichkeiten nur noch im konkreten Anlassfall aufsuchen", hieß es. Universitätsmitarbeiter können laut Uni - "unter Berücksichtigung der bisher kommunizierten Handlungsempfehlungen" - wie gewohnt an Ihren Arbeitsplatz kommen. "Diese Maßnahme gilt bis auf weiteres", so Märk an die Studierenden.

In Tirol sind am Montag 18 weitere positive Coronavirus-Fälle dazugekommen. Alle Patienten würden einen milden Krankheitsverlauf aufweisen und seien in einem "sehr guten Zustand", wie es gegenüber der APA hieß. Bei 15 Fällen gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zu einem 36-jährigen Barkeeper aus Norwegen, der vergangene Woche im Bezirk Landeck positiv auf das Virus getestet worden war, teilte das Land mit. 14 dieser 15 Personen stammen aus dem unmittelbaren Arbeitsumfeld des Norwegers. Bei einer Person handelt es sich um eine enge Kontaktperson aus dem sozialen Umfeld einer nun erkrankten Mitarbeiterin der Bar "Kitzloch" in Ischgl, in der der Norweger gearbeitet hatte. Die Bar wird vorsorglich behördlich gesperrt. Auch eine für diese Woche angesetzte Nachtskilauf-Veranstaltung in Ischgl wurde abgesagt.

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen in der Steiermark stieg am Montag von zehn auf 17, informierte die Landessanitätsdirektion Montagabend. Fünf der positiv getesten Personen seien zuletzt gemeinsam auf Skiurlaub in Südtirol gewesen: Es handelt sich um drei Frauen und zwei Männer im Alter von 56 bis 61 Jahren aus den Bezirken Leoben und Murtal. Die zwei weiteren neuen bestätigten Coronavirus-Fälle betreffen eine 56-jährige und eine 70-jährige Frau aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, die sich auf einer Kreuzfahrt infiziert haben könnten. Die sieben neuen Patienten sind in Heimisolierung.

In Vorarlberg wurde am Montag die dritte bestätigte Infektion mit dem Coronavirus bekannt. In Salzburg stieg die Anzahl der bestätigten Corona-Fälle am Montag um zwei auf insgesamt zehn. In Oberösterreich wurde am Montag eine neue Infektion mit dem Coronavirus bestätigt. Erstmals wurde in diesem Bundesland ein Patient in ein Spital, in das Landeskrankenhaus Steyr, gebracht, wo er isoliert behandelt wird. Die Erkrankung verlaufe laut Informationen des Landes bisher mild.

Im Burgenland begann das Rote Kreuz am Montag unterdessen mit mobilen Coronavirus-Tests. Bisher wurden die Verdachtsfälle von den Amtsärzten getestet, nun übernehmen zwei spezielle Einsatzteams, von denen eines in Eisenstadt und eines in Oberwart stationiert ist, bestätigte das Amt der Landesregierung am Montag gegenüber der APA einen Bericht des "ORF Burgenland".

Der Krisenstab im Innenministerium beobachtet die aktuelle Entwicklung mit Argusaugen. Eine Situation wie in Italien sei aber mit jener in Österreich nicht vergleichbar, meinte der Sprecher des Krisenstabs, Detlef Polay. Daher seien Einschränkungen wie in Italien hierzulande vorerst kein Thema, hieß es. Das Schließen von Kindergärten, Schulen und Universitäten ist im Moment demnach nicht angedacht. Maßnahmen in diesem Bereich wären von den zuständigen Ministerien zu setzen, sagte Polay.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner sprach sich indes am Montag für die Absage von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern aus, um die Ausbreitung des Coronavirus in Österreich einzudämmen. "Das wäre notwendig und sinnvoll", meinte Rendi-Wagner gegenüber der Tageszeitung "Österreich". Auch Familienfeste und größere Menschenansammlungen solle man meiden. Darüber hinaus trat Rendi-Wagner dafür ein, Lehrveranstaltungen an Universitäten abzusagen, "wo sehr viele Studenten auf engem Raum stundenlang in Hörsälen sitzen.

Auch die ÖBB bleibt vom Virus nicht unberührt: Nach den umfassenden Quarantänemaßnahmen in Italien fährt das österreichische Personal in den Zügen der ÖBB nur mehr bis zur Grenze. "Dann wird der Zug an italienisches Personal übergeben", hieß es seitens der ÖBB auf APA-Anfrage. In den österreichischen Zielbahnhöfen werden die Züge dann professionell gereinigt und desinfiziert. Während die Passagierzahlen nach Italien naturgemäß abnehmen, ist innerösterreichisch zum derzeitigen Zeitpunkt noch kein Rückgang an Fahrgästen bemerkbar.

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