4. Dezember 2019 14:37

Politik

Mehrheit der Bevölkerung findet Grundwehrdienst zu kurz

Eine Mehrheit von 58 Prozent der Österreicher sieht die Dauer des Grundwehrdienstes als zu kurz an. Drei Viertel der Bevölkerung haben eine positive Grundhaltung zum Bundesheer. Das geht aus einer Umfrage des market-Instituts unter knapp 1.500 Befragten im Auftrag des Verteidigungsministeriums hervor. Ex-Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) fordert die achtmonatige Wehrpflicht zurück.

Die Dauer des Grundwehrdienstes bzw. eine Rückkehr zum alten System ist in den letzten Jahren immer wieder zum Thema geworden. Sowohl der jetzige Minister Thomas Starlinger als auch sein Vorgänger von der FPÖ, Mario Kunasek, sprachen sich für die Rückkehr zum Grundwehrdienst von acht Monaten mit verpflichtenden Milizübungen aus.

Das sieht die Mehrheit der Bevölkerung laut der Umfrage ähnlich. Für mehr als die Hälfte der Österreicher (53 Prozent) ist es notwendig, auch nach dem sechsmonatigen Grundwehrdienst weitere Milizübungen in der Dauer von zwei Monaten abzuleisten. 58 Prozent sehen die Dauer des Grundwehrdienstes als zu kurz an. Im Vergleich zu einer Erhebung im Juli 2019 bedeutet das einen Anstieg, damals waren nur 52 Prozent dieser Meinung.

Ganze 73 Prozent sind grundsätzlich der Ansicht, dass das Bundesheer angesichts aktueller Bedrohungen besser für seine vielfältigen Aufgaben vorbereitet werden sollte. Hinsichtlich der konkreten Maßnahmen betrachten fast drei von vier Österreichern eine vertiefte Ausbildung der Wehrdiener (71 Prozent) und eine Verbesserung der Materialausstattung (70 Prozent) als wichtig.

Ein nahezu ebenso großer Anteil der Bevölkerung (69 Prozent) sieht die Vorbereitung des Bundesheeres auf Cyberangriffe und das Vorantreiben der Digitalisierung als wesentlich. Eine klare Mehrheit von 63 Prozent spricht sich zudem für eine Bereitstellung von mehr Budgetmitteln für das Heer aus. Dies entspricht einer leichten Erhöhung im Vergleich zu Juli 2019.

Abgefragt wurden auch die Ängste der Bevölkerung. Am meisten fühlen sich die Österreicher demnach von den negativen Auswirkungen des Klimawandels bedroht (56 Prozent). 50 Prozent befürchten persönlich die Auswirkungen eines Blackouts oder einer Massenmigration (47 Prozent).

Der ehemalige Verteidigungsminister und nunmehrige steirische FPÖ-Chef Mario Kunasek fühlt sich durch die aktuelle Umfrage bestätigt. Die 2006 vorgenommene Reduktion auf sechs Monate habe sich als "klare Fehlentscheidung" erwiesen, so Kunasek. Die Reduktion sei eine "willkürliche, politische Entscheidung" gewesen, meinte Kunasek: "Nach militärischen Gesichtspunkten war sie absolut widersinnig, auch das Rote Kreuz und soziale Einrichtungen haben und hatten extrem darunter zu leiden." Der Grundwehrdienst müsse wieder auf acht, der Zivildienst auf zwölf Monate verlängert werden. Auch brauche es eine Erhöhung des Lohns bzw. der Grundvergütung der Wehrpflichtigen.

Die Rückkehr zur achtmonatigen Wehrpflicht sei auch für die Einsatzfähigkeit der Miliz eine wichtige Voraussetzung. Verpflichtende Milizübungen könnten "ausschließlich" durch eine Verlängerung der Wehrpflicht sichergestellt werden, so Kunasek.

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