30. Oktober 2019 14:44

Chronik

Messerattacke in Wullowitz: Rot-Kreuz-Mitarbeiter beigesetzt

Der Rot-Kreuz-Flüchtlingsbetreuer, der am 18. Oktober seinen Verletzungen nach einer Messerattacke am 14. Oktober in Wullowitz erlag, ist am Mittwoch beigesetzt worden. Seine Familie hatte ersucht, die gebotene Privatsphäre zu wahren. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sprach als Vertreter des offiziellen Oberösterreich berührende Worte bei der Urnenbeisetzung im Heimatort des 32-Jährigen.

"Die Verbrechen vom 14. Oktober haben die Gemeinde Leopoldschlag zu einem Tatort und einem Ort zweier Tragödien gemacht. Sie haben auch ganz Oberösterreich zu einem Land in Trauer gemacht. Wir sind noch immer traurig, erschüttert und zornig darüber, dass ein Mann, dem unser Land Schutz und Sicherheit bietet, diese Taten begangen haben soll." Dieser Zorn dürfe uns als Gesellschaft jedoch nicht dazu verleiten, Flüchtlinge pauschal oder undifferenziert zu verdächtigen oder gar zu verurteilen, betonte der Landeshauptmann. Der Verstorbene sei der Letzte, der das gewollt hätte. Er habe hingegen unter Beweis gestellt, dass in unserer Gesellschaft die Kultur des Helfens weit mehr verbreitet ist, als Pessimisten es manchmal annehmen.

Der oö. Rot-Kreuz-Präsident Walter Aichinger zeigte sich tief betroffen und sprach der Familie des Verstorbenen sein Mitgefühl aus. "Mit seinem Engagement war er regionaler Ansprechpartner sowie Botschafter der weltweiten Rotkreuz-Idee und verkörperte bis zu seinem tragischen Ableben die verbindende Kraft der Menschlichkeit", würdigte er den Mitarbeiter, der "aus Liebe zum Menschen, unabhängig von Kultur und Herkunft" den Zusammenhalt und die Integration in unserer Gesellschaft gestärkt habe.

Der 32-Jährige hatte am 14. Oktober lebensgefährliche Verletzungen erlitten, als ihn ein Asylwerber in einer Unterkunft in Wullowitz (Bezirk Freistadt) mit einem Messer attackierte. Hintergrund dürften Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit einem Arbeitsplatz gewesen sein. Der Afghane soll versucht haben, dem Rot-Kreuz-Mitarbeiter die Kehle durchzuschneiden. Andere Asylwerber gingen dazwischen und es gelang ihnen zunächst, den Angreifer von seinem Opfer wegzuzerren. Der 33-Jährige riss sich aber wieder los und stieß dem Betreuer das Messer in die Brust. Dann flüchtete er mit einem gestohlenen Fahrrad. Kurz darauf soll der Flüchtige bei einem nahegelegenen Bauernhof einen 63-Jährigen erstochen haben, um an dessen Auto zu gelangen. Mit dem Fahrzeug setzte er die Flucht fort. Er kam bis Linz, wo er am Abend festgenommen wurde.

Der Flüchtlingsbetreuer wurde mit dem Notarzthubschrauber in den Med Campus III geflogen und notoperiert. Allerdings waren seine Verletzungen so gravierend, dass er vier Tage später starb. Der tatverdächtige Afghane ist mittlerweile in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen zweifachen Mordes ermittelt.

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