5. März 2020 11:35

Kultur

Mit Wiedereröffnung startet Künstlerhaus in neue Ära

Wenn nach Jahren des Umbaus und noch längeren Jahren der Einrüstung das Wiener Künstlerhaus wiedereröffnet wird, ist das durchaus ein Grund zu feiern. Bevor kommende Woche die Albertina modern als neue Dependance der Albertina mit Pomp and Circumstances folgt, macht die Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler mit ihren 439 Mitgliedern ab Donnerstag den Auftakt.

Bereits am Abend startet man mit einem Softopening der nun auf das Obergeschoß beschränkten Räumlichkeiten und feiert über das ganze Wochenende hinweg, wie am Vormittag skizziert wurde. Den ersten festlichen Akt setzen Donnerstagabend Künstlerhaus-Präsidentin Tanja Prusnik und Mäzen Hans Peter Haselsteiner. Der mittlerweile als künstlerischer Leiter zurückgetretene Kurator der Eröffnungsausstellung "Alles war klar", Tim Voss, umreißt die Idee der Schau, und Martin Fritz hält eine Festrede. Beendet wird die Voreröffnung von DJ BTO Spider.

Die eigentliche Eröffnung findet dann am Freitag statt. Eingeläutet wird der Abend mit einer "zeremoniellen und kaiserlichen Eröffnung" vor dem Haus unter dem Titel "W*HOLE AGAIN", die von einem Quartett aus Künstlern und Künstlerinnen gestaltet wird, das die Paradigmen Antifaschismus, Feminismus und Queerness als neue Leitlinien des Hauses vorschlägt. Während eine Zeremonienmeisterin durch diese in der Tradition der legendären Faschingsgschnas stehende Performance führt, intoniert ein 20-köpfiger Chor Mendelssohn Bartholdys "Festgesang an die Künstler".

Weiter geht es dann aber im Warmen, wenn unter Moderation von Mercedes Echerer Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) die eigentliche Eröffnung vornehmen. Das breite Publikum hat dann am folgenden Wochenende die Möglichkeit, die von der Künstlerhaus Vereinigung bespielte Areale des Hauses zu besichtigen. Neben den eigentlichen Ausstellungsräumen gehört hierzu auch die sogenannte Factory als Multifunktionsraum sowie das in "Salon Karlsplatz" umbenannte einstige "Ranftlzimmer", das als repräsentativer Veranstaltungsraum dient. Dafür hat Ingrid Gaier die alte Tapete durch neue Grafiken ersetzt.

"Mit unserem Ausstellungskonzept werden Menschen von 3 bis 103 Jahren angesprochen", zeigte sich Präsidentin Prusnik am Donnerstag überzeugt von der neuen Anlage, deren Räumlichkeiten auf technisch höchstem Niveau seien: "Wir sind sehr froh, zurückgezogen zu sein."

Geboten werden den Wochenendbesuchern aber nicht nur Workshops und die Möglichkeit, unter dem Hashtag #meinKünstlerhaus Selfies und Geschichten in den Sozialen Medien zu posten. Es gibt auch Führungen durch die Eröffnungsausstellung. Diese trägt den letztlich ironischen Titel "Alles war klar". "Nie war etwas klar - und es wird auch nie klarer werden", stellte Kurator Tim Voss klar. Dabei gehe es in der paradigmatischen Schau darum, das Konzept der Künstlervereinigung zu verwirklichen, das sich unter dem Schlagwort "Präsenz statt Repräsentation" zusammenfassen lasse.

So reflektieren Künstlerinnen und Künstler wie Cäcilia Brown, Georg Klüver-Pfandtner, Toni Schmale oder Claudia Bosse auf das Eröffnungsereignis. "Es war sehr wichtig, die Geschichte mit in die Ausstellungsräume zu tragen", zeigte sich Voss überzeugt. Dabei sind die sieben, fensterlosen Ausstellungsräume luftig bespielt, geben den Arbeiten Raum.

Am eindrücklichsten setzt Agata Ingarden die Möglichkeit um, die in einem lynch-artig, gelben Raum eine organische Skulptur aus geschmolzenem Karamell auf die Sitzmöbel tropfen lässt. Toni Schmale indes setzt mit ihren Betonarbeiten auf statischere Raumwirkung. Thomas Baldischwyler indes hat im Großen Saal Werke von Kollegen vereint, mit denen er die Geschichte des Künstlerhaus widerspiegelt. "Die Arbeit Ausstellung spricht für sich selbst - da kommen viele Puzzlestücke zusammen", meint Voss.

Kommende Woche, am 12. März, folgt dann die Einweihung der Albertina modern, die 2.000 Quadratmeter im Erd- und Untergeschoß mit der Eröffnungsausstellung "The Beginning. Kunst in Wien 1945 bis 1980" bespielen wird. Dies ist Teil der Lösung mit der Haselsteiner Familien-Privatstiftung, die 74 Prozent der im Jahr 2015 gegründeten Künstlerhaus Besitz- und Betriebs GmbH hält, wodurch die umfassende Sanierung überhaupt erst möglich gemacht wurde.

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