19. November 2019 21:12

Politik

Morales stellt Bedingungen für Blockadeende in Bolivien

Boliviens Ex-Präsident Evo Morales will seine Anhänger nur unter bestimmten Bedingungen zur Beendigung ihrer Protestblockaden aufrufen. Erstens müsse seine Sicherheit und die seiner Mitstreiter garantiert sein, sagte er am Montag im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Mexiko-Stadt. Zweitens müssten die Todesfälle der vergangenen Tage aufgearbeitet werden.

In Bolivien haben erneut Tausende Anhänger von Morales demonstriert. Bei Kundgebungen in Cochabamba, El Alto und La Paz forderten die Demonstranten am Montag den Rücktritt von Übergangspräsidentin Jeanine Áñez, die durch einen "Staatsstreich" an die Macht gekommen sei. Áñez hatte vor knapp einer Woche die Amtsgeschäfte übernommen.

Bei erneuten Ausschreitungen zwischen Morales-Anhängern und der Armee wurde ein Demonstrant getötet. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Verteidiger des Volkes (Defensoría del Pueblo) wurde ein 31-jähriger Mann am Dienstag in El Alto nahe La Paz erschossen.

"Wir fordern Ermittlungen der Behörden", erklärte ein Sprecher der Organisation. Bolivianischen Medienberichten zufolge wurden zudem mehrere Menschen bei den Kundgebungen verletzt.

Die Situation war eskaliert, nachdem Einsatzkräfte gegen Demonstranten vorgegangen waren, um die Blockade einer Öl-Raffinerie in El Alto aufzulösen. Wie auf Fernsehaufnahmen zu sehen war, setzte die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Morales war am 10. November unter dem Druck von Militär und Polizei zurückgetreten, nachdem internationale Beobachter Manipulationen bei der Präsidentenwahl drei Wochen zuvor festgestellt hatten. Er spricht von einem Putsch. Am Dienstag vergangener Woche setzte er sich ins Exil nach Mexiko ab. Der erste indigene Präsident des Andenlandes hatte für eine vierte Amtszeit kandidiert.

Anhänger des linken Ex-Staatschefs gaben Áñez in der Nacht auf Sonntag ein Ultimatum, binnen 48 Stunden zurückzutreten. Andernfalls würden sie weitere Straßensperren errichten. "Wenn sie zurücktreten würde, täte sie der Demokratie einen großen Gefallen", sagte Morales über Áñez.

Die katholische Kirche organisierte unterdessen einen Dialog zur Entschärfung des Konflikts. Es gebe den "Willen, voranzukommen", sagte Eugenio Scarpellini von der bolivianischen Bischofskonferenz. Übereinkünfte seien "in Arbeit". Drei Viertel der bolivianischen Bevölkerung bekennen sich zum Katholizismus.

Nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission starben seit Beginn der Unruhen in Bolivien 23 Menschen. Mehr als 700 wurden verletzt.

© APA
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