18. November 2019 11:39

Chronik

Nach Hochwasser arbeitet Venedig nun an Neustart

Nach der Flutwelle der vergangenen Woche versucht Venedig einen Neustart. Am Montag öffneten wieder die Schulen, die Vaporetti, die Wasserbusse der Lagunenstadt, verkehrten wieder nach Plan. Wohnungsbesitzer, Shopinhaber und Handwerker begannen, die Schäden von drei Flutwellen innerhalb einer Woche zu beseitigen. Eine Million Euro Spenden aus Russland trafen zudem ein.

Venedigs Touristikbranche beklagt schwere Schäden: 35 Prozent der bereits gebuchten Hotelaufenthalte seien abgesagt worden, sagte Claudio Scarpa, Direktor des Hotelierverbands Federalberghi. Die von den Hoteliers erlittenen Immobilienschäden wurden auf 30 Millionen Euro geschätzt. "Angesichts der besseren Wetterlage starten wir jetzt mit einer Werbekampagne, um klar zu machen, dass der Notstand zu Ende ist, und dass man ruhig wieder Venedig besuchen kann", sagte Scarpa.

3.000 Jugendliche trafen nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" aus ganz Italien ein, um bei der Säuberung der Stadt mitzuhelfen. Auf Facebook meldeten sich Hunderte Elektriker, Installateure und Maurer, die kostenlos bei der Behebung der Schäden mitarbeiten wollen.

Unterdessen trafen auch erste Spenden für die Lagunenstadt ein. Wohlhabende Russen erklärten sich bereit, mit einer Million Euro die Restaurierung der beschädigten Kunstschätze Venedigs zu finanzieren, teilte der italienische Botschafter in Russland, Pasquale Terracciano, laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA mit.

In der italienischen Botschaft in Moskau wird am Dienstag anlässlich eines Konzerts des russischen Dirigenten Waleri Abissalowitsch Gergijew offiziell die Spendensammlung für Venedig präsentiert. Die italienischen Botschaften und Konsulate im Ausland werden Initiativen zur Unterstützung der Lagunenstadt starten, kündigte Außenminister Luigi Di Maio an.

Die Flutwelle hatte am Montag 110 Zentimeter erreicht, damit war der Markusplatz erneut überschwemmt. Allerdings stand das Wasser niedriger als bei den vorherigen Flutwellen, daher wurde der Platz nicht wie in der vergangenen Woche gesperrt. Entspannt ist die Lage jedoch nicht: Für Dienstagabend wurde eine neue Schlechtwetterfront angekündigt.

Auch in anderen Teilen Italiens blieb die Situation am Montag schwierig. Überschwemmungen und Erdrutsche wurden etwa in Friaul Julisch Venetien gemeldet. In Tolmezzo, Gemona und Cervignano mussten wegen Überschwemmungen einige Straßen gesperrt werden. In der Toskana wurde wegen der Schlechtwetterfront der Notstand ausgerufen. Laut Bauernverband Coldiretti entstanden für die italienische Landwirtschaft Schäden in Millionenhöhe.

Der Fluss Tiber in Rom stieg erneut stark an. In der Provinz Caserta in der süditalienischen Region Kampanien blieben am Montag die Schulen geschlossen, nachdem es in der Nacht auf Montag zu heftigen Niederschlägen gekommen war.

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