26. Dezember 2018 18:23

Politik

Neue Anti-Regierungs-Proteste in bosnischer Serbenrepublik

In der bosnischen Serbenrepublik haben am Stefanitag neue Anti-Regierungs-Proteste stattgefunden. Anhänger der Bewegung "Gerechtigkeit für David" versammelten sich am Abend in der Hauptstadt Banja Luka zu einer Kundgebung gegen die Sicherheitsdienste. Weil die Polizei eine Demo auf einem Platz im Stadtzentrum untersagte, kam es zu einem Protestmarsch durch die Stadt.

Der Marsch führte durch jene Straßen, auf denen der 21-jährige David vor seinem Verschwinden in der Nacht auf den 18. März unterwegs gewesen war. Davids Leiche wurde wenige Tage später aufgefunden. Sein Vater Davor Dragicevic wirft den Sicherheitsbehörden der Republika Srpska vor, für den Tod verantwortlich zu sein. Aus der von Dragicevic ins Leben gerufenen Aktion gegen Polizeiwillkür hat sich mittlerweile eine breite regierungskritische Protestbewegung entwickelt.

Dragicevic appellierte zum Auftakt der Kundgebung am heutigen Mittwochabend an die Teilnehmer, jegliche Konfrontation mit der Polizei zu vermeiden. Dragicevic selbst war am Dienstagvormittag festgenommen worden, was zu Zusammenstößen zwischen Anhängern seiner Bewegung und der Polizei führte. Am Mittwoch wurde er nach einer Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft auf freien Fuß gesetzt. Allerdings laufen Ermittlungen gegen ihn wegen "Gefährdung der öffentlichen Sicherheit".

Der starke Mann der bosnischen Serbenrepublik, Milorad Dodik, zeigte sich indes "enttäuscht" von der seiner Ansicht nach langsamen Arbeit der Staatsanwaltschaft im Fall Davor Dragicevic. Die Ermittlungen gegen den Anführer der Protestbewegung rechtfertigte das serbische Mitglied im bosnischen Staatspräsidium, weil Dragicevic mit seinem Verhalten gegen das Gesetz verstoßen habe.

In der bosnischen Öffentlichkeit gelten die Proteste der Bewegung als gegen Dodik und seine Partei, den "Bund der Unabhängigen Sozialdemokraten" (SNSD) gerichtet.

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