28. Oktober 2019 20:04

Politik

Neue Details im Fall des ermordeten Journalisten Kuciak

Im Fall des ermordeten slowakischen Journalisten Jan Kuciak sind neue Details zu den Ermittlungen bekannt geworden. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, aus der am Montag mehrere slowakische Medien zitierten, soll der mutmaßliche Auftraggeber des Mordes versucht haben, den Enthüllungsjournalisten vor seinem Tod zu erpressen.

Der slowakische Geschäftsmann Marian Kocner entschied sich demnach für den Auftragsmord, als er feststellte, dass eine Erpressung nicht möglich war.

Dem Gerichtsdokument zufolge fand Kocner "keinen Schmutz", mit dem er den Journalisten hätte belasten und diskreditieren können. Dies habe ihn zu der Entscheidung bewogen, "ihn physisch loszuwerden und so weitere Enthüllungen über seine Aktivitäten zu verhindern". Kuciak hatte sich in seiner Recherche unter anderem mit den Geschäften von Kocners zahlreichen Unternehmen befasst.

Die Staatsanwaltschaft wirft Kocner laut Anklageschrift vor, den Mord an Kuciak in Auftrag gegeben zu haben. Das Gerichtsdokument wurde unter anderem von der Nachrichtenseite "aktuality.sk" veröffentlicht, für die Kuciak vor seinem Tod arbeitete. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft wollte die Authentizität des 93-seitigen Schriftstücks gegenüber der Nachrichtenagentur AFP nicht bestätigen.

Der 27-jährige Enthüllungsjournalist Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren im Februar 2018 erschossen worden. Der Reporter hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert. Der mafia-ähnliche Mord löste Massendemonstrationen gegen die Regierung aus und führte schließlich zum Rücktritt von Ministerpräsident Robert Fico.

Neben Kocner werden vier weitere Personen beschuldigt, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein. Einer der Verdächtigen entschied sich für eine Zusammenarbeit mit den Ermittlern. Die Ermittler fanden zudem heraus, dass Kocner in zahlreichen Nachrichten an wichtige Regierungsbeamte versuchte, die Justiz zu beeinflussen. Unter anderem kontaktierte er Justizstaatssekretärin Monika Jankovska, die inzwischen zurücktreten musste und nun mit einem Disziplinarverfahren konfrontiert ist.

© APA