11. März 2020 15:56

Sport

Nun soll auch ManUnited den LASK "kennenlernen"

Ausgerechnet das vielleicht attraktivste Spiel der Vereinsgeschichte muss der LASK am Donnerstag (18.55 Uhr/live Puls 4 und DAZN) aufgrund des Coronavirus vor leeren Rängen austragen. An der Motivation der Linzer ändert das aber nichts. "Auch wenn der Gegner Manchester United heißt, wollen wir so spielen, wie uns Europa bisher kennengelernt hat", sagte Trainer Valerien Ismael.

Die Nachricht vom Fan-Bann überraschte am Dienstagnachmittag auch die Kicker. "Es war eine komische Vorbereitung, wir haben das Thema mit der Mannschaft natürlich besprochen. Es ist das Spiel des Jahrhunderts, und dann können unsere Familien und Kinder nicht zuschauen", sagte Ismael. An sich ändere das aber nichts. "Vielleicht geht es noch mehr als sonst um unsere (spielerischen) Prinzipien. Wir sind hochmotiviert", betonte der Erfolgscoach, der auf der Gugl vor maximal 500 Anwesenden (inklusive Betreuer, Delegierte, Medien) eine Atmosphäre "wie beim Abschlusstraining" erwartet.

Vor der Truppe von Ole Gunnar Solskjaer, die zuletzt ansteigende Formkurve aufwies und mit dem 2:0-Derbycoup über City am Wochenende weiteres Selbstbewusstsein tankte, bekundete Ismael höchsten Respekt. "Sie sind einfach komplett, allererstes Niveau. Eine Weltmannschaft, die auf jeder Position drei, vier Leute hat", sagte der Franzose, der 1998 für Crystal Palace kickte und damals eine 0:3-Niederlage gegen United erlebte. "Wir sind krasser Außenseiter", fasste Verteidiger Christian Ramsebner das Duell mit Englands Rekordmeister, dreifachem Champions-League- bzw. Meistercupsieger und EL-Gewinner 2017 zusammen.

Ob der LASK nach einer starken EL-Saison das Zeug auch zur Topsensation hat, wird sich weisen. "Wir können sehen, wie unsere Prinzipien gegen die absolute Weltspitze funktionieren", meinte Ramsebner, "die Vorfreude ist riesengroß." Mittelfeldmann Peter Michorl gab sich bereits am Dienstag hoffnungsfroh und versprach: "Wir werden nicht in Ehrfurcht erstarren." Ismael sah gewisse Möglichkeiten. "Vielleicht unterschätzt uns der Gegner, wir spielen in einem leeren Stadion, und sie kennen uns vielleicht nicht ganz", führte der 44-Jährige an. Im Prinzip gehe es aber um die eigenen Stärken: "Der Fokus bleibt auf uns, das war immer unsere Marschroute."

Personell muss der ansonsten diesbezüglich meist verwöhnte Coach diesmal Abstriche machen. Offensivmann Thomas Goiginger und Außenbahnspieler Marvin Potzmann fallen nach ihren jüngst erlittenen Kreuzbandrissen aus, in der Defensive fehlen die gesperrten Philipp Wiesinger und Petar Filipovic. Für letztere dürften Ramsebner und der im Europacup 2019/20 noch nicht eingesetzte Markus Wostry auflaufen. Vorne rückt wohl Samuel Tetteh in die Startelf. Offen scheint das Startelf-Duell zwischen dem fünffachen EL-Torschützen Marko Raguz und Joao Klauss. Man werde jedenfalls "eine schlagkräftige Mannschaft haben", versprach Ismael.

Das wird gegen eine Truppe mit dem 25-fachen Marktwert auch nötig sein - selbst wenn der Großclub nicht mehr ganz so hell glänzt wie noch vor gut zehn Jahren. Mit welcher Aufstellung Solskjaer sein Team auf den Platz schickt, darüber kann nur spekuliert werden. Klar ist lediglich, das Club-Rekordtransfer Paul Pogba ebenso verletzt ausfällt wie Englands Teamstürmer Marcus Rashford. Dass die Einsergarnitur aufläuft, käme jedenfalls überraschend. Denn abgesehen von einer vermeintlich leichten Aufgabe am Donnerstag haben die "Red Devils" am Sonntag in der Premier League das Duell mit Tottenham vor der Brust. Drei Punkte fehlen derzeit auf die CL-Plätze, und dort gehört man nach eigenem Selbstverständnis auch hin.

LASK-Präsident Siegmund Gruber hat indes Kritik am jüngsten Regierungserlass im Zusammenhang mit dem Coronavirus und Großveranstaltungen geübt. "Ich glaube nicht, dass wir das Spiel ohne Zuschauer über die Bühne bringen hätten müssen", sagte Gruber.

"In Leipzig ist gestern vor 42.000 Leuten gespielt worden, in Frankfurt wird (am Donnerstag) noch Basel gespielt", führte Gruber bei der Pressekonferenz vor dem Spiel am Mittwoch in Linz als Beispiele an. Auch die maximal erlaubte Zahl von Menschen bei der Partie sei ihm ein Rätsel. Laut dem Erlass ist die Durchführung u.a. von Freiluft-Veranstaltungen mit über 500 Teilnehmern vorerst bis 3. April verboten. "Das kann keiner erklären", betonte der Clubboss und präsentierte seinen - sarkastischen - Ansatz: "In Deutschland haben wir 1.000. Wenn man das durch zwei dividiert, sind wir in Österreich auf der sicheren Seite."

Gruber bemängelte zudem die "Informationspolitik vonseiten des Gesundheitsministeriums". So habe man erst am Mittwoch erfahren, dass die Zahl 500 alle Anwesenden umfasse. "Wir werden die Ballkinder rausschicken und bei den Journalisten Abstriche machen müssen", betonte er. Abstriche muss man klarerweise auch bei den Finanzen hinnehmen. Er rechne mit Einnahmen von "rund einer Million" Euro, die dem Verein durch das Geisterspiel entgehen.

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