4. Dezember 2019 12:33

Chronik

Obdachlosenhilfe: Caritas sammelt für "Gruft-Winterpaket"

Wenn die Tage und Nächte kälter werden, beginnt für obdachlose Menschen die wohl härteste Zeit des Jahres. Deshalb ruft die Caritas der Erzdiözese Wien zum Spenden auf. Für 50 Euro gibt es das "Gruft-Winterpaket", das eine warme Mahlzeit und einen Schlafsack beinhaltet. Zusätzlich wird dringend Geld benötigt. Bis Jahresende fehlen noch mehr als 100.000 Euro, um das nötige Spendenziel zu erreichen.

"Unser Auftrag ist klar: Niemand soll unversorgt auf der Straße stehen und niemand soll bei Minusgraden erfrieren müssen", betonte Caritas-Präsident Michael Landau in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Eine Anlaufstelle ist die Obdachloseneinrichtung "Gruft", die sich unter der Barnabitenkirche in Mariahilf befindet. Dort können Menschen ohne Dach über dem Kopf kostenlos die Nacht verbringen.

Der Bedarf der dort gebotenen Hilfe ist "konstant hoch", so Landau. Im Vorjahr wurden 22.000 Nächtigungen gezählt und 121.000 warme Mahlzeiten ausgegeben. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag die Zahl der Essensausgaben noch bei knapp 82.000 Portionen.

Zusätzlich gibt es auch noch die mobile Notversorgung. Mit dem "Kältebus" suchen Sozialarbeiter Obdachlose an Ort und Stelle auf und schauen, wie sie helfen können. Beim "Canisibus" werden die Menschen mit heißer Suppe versorgt. Zusätzlich gibt es noch die mobilen Arztpraxis "Louisebus" und das Kältetelefon (01/480 45 53). Wer einen Menschen in den Abendstunden im Freien wahrnimmt, kann dort anrufen, um Hilfe zu organisieren. In diesem Winter wurden bisher 964 Anrufe entgegen genommen.

"Ohne Spenden wäre ein großer Teil unserer Hilfe nicht möglich", machte Landau aufmerksam. Allein in der "Gruft" betrage der jährliche Spendenbedarf mehr als 400.000 Euro. Bis Jahresende fehlen noch mehr als 100.000 Euro, um das finanzielle Ziel zu erreichen. Daher sein Appell: "Spenden Sie für die Caritas Winternothilfe. Die Hilfe kommt an. Die Hilfe wird dringend benötigt."

Überdies wird auch um Sachspenden gebeten: Winterschuhe, (lange) Unterhosen und Ohropax. Letzteres deswegen, weil es in der "Gruft" in der Nacht doch viel Umgebungslärm gibt und die Menschen Ruhe finden sollen. "68 Menschen husten, schnarchen, gehen herum", veranschaulichte die leitende Sozialarbeiterin Susanne Peter die nächtliche Szenerie.

Unterstützt wird das "Winterpaket" vom Schauspieler Karl Markovics. Um ein Gefühl für die Situation der Obdachlosen zu bekommen, hat er vor Kurzem die Sozialarbeiter der "Gruft" bei einem Nachteinsatz begleitet. Die Tour sei für ihn ein "einschneidendes Erlebnis" gewesen: "Jeder weiß, wie es ist, wenn einem kalt ist und wenn man friert. Aber die meisten von uns kommen aus einem warmen Zuhause und gehen auch in ein warmes Zuhause zurück. Aber die Vorstellung, das nicht zu haben und jede Nacht irgendwie draußen überleben zu müssen - schon nach zwei Stunden unterwegs im Kältebus, ich habe mich wie ein Kind gefreut über eine warme Suppe, die es gegeben hat." Sein Aufruf lautet daher: "Es darf einfach nicht sein, dass wir auch nur einen Menschen frieren lassen und einen Menschen hungern lassen. Nicht in Österreich."

Landau nutzte die Pressekonferenz außerdem, um einen Appell an die künftige Bundesregierung zu richten. "Sollte die Abschaffung der Mindestsicherung in den verschiedenen Bundesländern tatsächlich wie vom Sozialhilfe-Grundsatzgesetz vorgegeben umgesetzt werden, werden wir das in unseren Einrichtungen spüren." Die Not werde künftig steigen, ist er überzeugt: "Ganz einfach, weil es nach der Abschaffung der Mindestsicherung mehr Menschen geben wird, die am Monatsende nicht wissen, ob sie mit dem verbliebenen Geld essen oder heizen sollen."

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