11. Januar 2020 13:28

Sport

ÖHB-Männer gegen ukrainische "Riesen" um zweiten EM-Sieg

Der harterkämpfte 32:29-Auftaktsieg von Österreichs Handballmännern über Tschechien hat am Freitag bei der Heim-EM für einen ersten Anflug von "Europhorie" gesorgt. Mit der Ukraine wartet aber schon am Sonntag (18.15 Uhr/live ORF 1) die nächste, unglamouröse Hürde. "Es wird ein richtig schweres Spiel", sagte ÖHB-Teamchef Ales Pajovic. Im Idealfall steht man mit Abpfiff bereits als Aufsteiger fest.

Gelingt Rot-Weiß-Rot der zweite Erfolg, und behält im ersten Spiel des Tages auch Nordmazedonien über Tschechien die Oberhand, wäre Österreich zum ersten Mal seit 2014 wieder in der zweiten Phase einer EM vertreten und würde am Dienstag gegen die Balkan-Handballer um den Sieg in Vorrundengruppe B kämpfen. Da die Punkte gegen Mitaufsteiger aufs Hauptrundenkonto gebucht werden, nicht nur ein Prestigeduell.

So weit wollte Pajovic freilich nicht denken. Denn die als leichter Außenseiter gehandelten Ukrainer machten ihre Sache am Freitag bei der hauchdünnen 25:26-Niederlage gegen Nordmazedonien richtig gut. "Mazedonien hat Glück gehabt", stellte Pajovic nach dem Videostudium fest. Erst ein Kracher von Routiner Kiril Lazarov in der Schlusssekunde brachte den Sieg. "Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen überrascht von der Leistung der Ukrainer war", gestand Pajovic.

Umso mehr ist seine Truppe gegen die ukrainischen "Riesen" gefordert, von deren Aufbaureihe der kleinste Spieler 1,98 m misst. "Wenn du zu statisch bist, dann kann das zum Problem werden. Aber wenn wir dynamisch und mit viel Druck zum Tor spielen, dann kann das ein Vorteil gegen diese großen Leute sein", befand Pajovic. Probleme bereitete die Ukraine den Nordmazedoniern zudem mit ihrer 7:6-Überzahlvariante, auf die sich die Österreicher im Samstagtraining noch einmal gesondert vorbereiteten.

Die von Pajovic geforderte Dynamik war am Freitag im Spiel gegen Tschechien im Angriff noch zu etwas zu selten zu sehen, fiel aber letztlich nicht ins Gewicht. Auch, weil Kapitän Nikola Bilyk ein beeindruckendes "Soloprogramm" mit zwölf Toren abspulte - und quasi über 60 Minuten ununterbrochen am Feld stand. "Eine unglaubliche Leistung", sagte Pajovic. "In den wichtigen Momenten, wenn der Druck da ist, übernimmt er Verantwortung."

Der 23-Jährige, der am Sonntag auf die Heimat seiner Eltern trifft, erfüllte die Erwartungen voll, wird in der kommenden Partie aber noch stärker im Fokus der ukrainischen "Betonabwehr" stehen - so wie Janko Bozovic, der mit sieben Treffern überzeugte. "Sie werden sich sicher mehr auf Janko und Niko konzentrieren, das müssen unsere Mittelmänner besser lösen", stellte Pajovic klar, dass er etwa auch von Gerald Zeiner eine Steigerung gegenüber Spiel eins erwartet.

Bilyk werde zudem im Laufe eines möglicherweise langen Turniers mit sieben Spielen inklusive Hauptrunde, nicht immer eine so starke Leistung bringen können. "Er ist kein Roboter", bemerkte Pajovic. Kiel-Legionär Bilyk selbst fühlte sich am Samstag "schon etwas müde", betonte aber, die Belastung aus Deutschland durchaus gewöhnt zu sein. Die Frage, ob er in der Lage sei, über 13 Tage im Zweitages-Rhythmus ständig Leistungen wie am Freitag abzurufen, stelle sich quasi nicht: "Ich muss."

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