23. November 2019 10:32

Politik

Papst schickt Präsidenten Chinas und Taiwans Telegramme

Auf dem Flug nach Japan hat Papst Franziskus dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping und der Präsidentin Taiwans, Tsai Ing-wen, am Samstag jeweils ähnliche Grußtelegramme geschickt. Franziskus traf am Samstag in Japan ein, der zweiten und letzten Station seiner Asien-Reise. Der Papst hatte zuvor Thailand besucht.

Obwohl die demokratische Insel von der kommunistischen Führung in Peking nicht als Staat, sondern nur als Teil der Volksrepublik angesehen wird, adressierte der Papst das Schreiben an "Ihre Exzellenz Tsai Ing-wen, Präsidentin der Republik China (Taiwan)".

Der Vatikan gehört zu den 15 Staaten weltweit, die Taiwan noch gegen den Widerstand aus Peking diplomatisch anerkennen. Es ist neben der Unterdrückung papsttreuer Katholiken in China eines der Hindernisse, die Franziskus bisher daran hindern, sich seinen großen Wunsch zu erfüllen, auch einmal China besuchen zu können. Auf jeder Reise schickt der Papst den Präsidenten der Staaten, die er überfliegt, ein Telegramm und wünscht ihnen Wohlergehen und Frieden.

Der Papst schickte auch der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam ein Grußtelegramm. Darin beschrieb er die seit Monaten von Unruhen heimgesuchte chinesische Sonderverwaltungsregion als "Territorium" und wünschte den sieben Millionen Hongkongern "Wohlergehen und Frieden".

Während er an den chinesischen Staatschef schrieb, "für die Nation und ihr Volk" zu beten, ließ er Taiwans Präsidentin wissen, dass seine Gebete "allen Menschen in Taiwan" gelten. Der Hinweis in den Telegrammen auf den erbetenen Frieden gewinnt auch hier besondere Bedeutung, da Peking mit einer gewaltsamen Eroberung Taiwans droht.

Der Streit geht auf den Bürgerkrieg zurück, als die Truppen der nationalchinesischen Kuomintang-Partei vor der Machtübernahme der Kommunisten 1949 in Peking von Festlandchina nach Taiwan geflüchtet sind. Bis heute lautet der Name "Republik China", da sich Taiwan als Nachfolger der bis dahin in China existierenden Republik versteht.

Mehr als zwei Jahrzehnte hielt die "Republik China" in Taiwan sogar noch den ständigen Sitz Chinas im Weltsicherheitsrat. Taipeh musste ihn 1971 an die Volksrepublik abgeben und verlor seine UNO-Mitgliedschaft. Die Regierung in Taipeh ist seither aber selbst von dem Anspruch abgerückt, ganz China zu repräsentieren.

In Japan will Franziskus unter anderem die am Ende des Zweiten Weltkriegs von US-Atombomben zerstörten Städte Hiroshima und Nagasaki besuchen. In der Vergangenheit hatte der Papst wiederholt über seine Angst vor einem Atomkrieg gesprochen. Nach Angaben des Vatikan will er in Japan für die Abschaffung von Atomwaffen werben. Der Papst wird in Japan außerdem Überlebende der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom März 2011 mit 18.500 Toten treffen. Das Erdbeben mit darauf folgendem Tsunami hatte die Atomkatastrophe von Fukushima ausgelöst.

Franziskus ist der erste Papst seit mehr als drei Jahrzehnten, der die beiden Länder besucht. Johannes Paul II. hatte Japan 1981 besucht, drei Jahre später flog er nach Thailand.

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