13. Januar 2020 09:06

Politik

Polit-Berater Hofer ortet Kommunikationskrise

Die Kunst der Inszenierung ist das Leitthema des heurigen Hotelierkongresses im Festspielhaus Bregenz. Auch Politik wird zunehmend als Bühne missbraucht. "Wir entwickeln uns in Richtung 'Emokratie' - politische Ideen funktionieren fast nur mehr über Emotionen, auch via zig Kanälen auf 'unsozialen' Netzwerken", kritisiert Politik-Berater Thomas Hofer.

Ein faktenbasierter Diskurs darüber, was sinnvoll ist und was abzulehnen ist, sei kaum noch möglich. Wer anderer Meinung sei, verhalte sich "unauffällig", damit "die emotionale Welle ihn nicht wegträgt". Eine funktionierende Demokratie lebe aber von diskursfähigen Parteien.

"Oft reicht die Zitierung eines Schlagwortes und die kommunikativen Dämme brechen." Ein Platz, wo wir gemeinsam Regeln verhandeln, fehle zunehmend. "Diese Entwicklung kann mit sich bringen, jederzeit zur Zielscheibe emotionaler Attacken zu werden- auch im Tourismus", sagte Hofer am Jahreskongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV).

In der Politik vermisst Hofer die Fähigkeit zuzuhören. "Es wird schwierig, sich zu verständigen - der Diskurs wird zu einem echten Problem", mahnt er. Dem Populismus ist Tür und Tor geöffnet. Desinformation steht auf der Tagesordnung. "Heikle oder unangenehme Themen bringen keine Prozentpunkte am Wählermarkt." Es komme nur zu symbolhafter Auseinandersetzung.

"In der Politik geht es seltener um Wahrheit, sondern viel öfter um Wahrnehmung - und da sind wir schon bei der Inszenierung", so Hofer. "Man findet sich sehr schnell in einer populistischen Debatte wieder." Es gehe vornehmlich darum, sich "in diesem kommunikativen Wildwasser" aufrechtzuerhalten. "Wer hier nicht in der Lage ist, seine Anliegen publikumswirksam zu vertreten, hat im 21. Jahrhundert schon verloren."

Was der Polit-Berater im aktuellen türkis-grünen Regierungsprogramm vermisst: "Die einzige Impfung wäre es, in die mediale Bildung zu investieren". Denn heute würden Themen nur noch emotional hochgezogen - mit Bildern und Geschichten. Aber das allein reiche nicht. "Wie will man da noch argumentativ inhaltliche Unterschiede überwinden?"

An der Übergangsregierung, die nach dem türkis-blauen Koalitionszusammenbruch infolge des Ibiza-Skandalvideos installiert wurde, übt Hofer offen Kritik: "Wenn sie schon nicht Opium fürs Volk war, dann war sie Valium für den öffentlichen Diskurs." Denn: "Bewältigt haben wir die Ibiza-Krise nicht", betont der Polit-Berater. Die FPÖ habe sich ihrerseits in Verschwörungstheorien verloren. "An den Inhalten des Gesagten von Ibiza ändert das aber keinen Millimeter." Der Skandal habe Vorurteile bestätigt - von großer Korruption bis hin zur Käuflichkeit unabhängiger Medien. "Was wir in den vergangenen acht Monaten erlebt haben, war die Manifestation einer großen Vertrauenskrise in das politische System unseres Landes."

Auch wenn die zwischenzeitliche Expertenregierung viel zur Beruhigung beigetragen habe und gemeinhin "beliebt" gewesen sei, habe sie nur den Ball flach gehalten. "Man hat sich Passivität verordnet."

Zum Ibiza-Video meinte der Politik-Berater, das bewegte Bild habe sein Gutes. Die Inhalte waren nicht wegzudiskutieren. Doch: "In der Zukunft wird die Fokussierung auf das bewegte Bild unsere Gesellschaft noch emotionaler und manipulierbarer machen. "Fake Videos" seien in ein paar Jahren voraussichtlich nur mehr schwer aufzudecken. Zu spät für den ehemaligen FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache, dessen zentrale Rolle im "Ibiza-Video" die türkis-blaue Koalition sprengte.

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