15. November 2019 13:50

Kultur

Protestaktion gegen Peter Handke vor Preisverleihung geplant

Die Opferorganisation "Mütter von Srebrenica" hat anlässlich der Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises an Peter Handke zu einer großen Protestaktion am 10. Dezember in Stockholm aufgerufen. Laut Initiatorin Teufika Sabanovic soll die Kundgebung auf Stockholms zentralem Platz "Sergels Torg" stattfinden. Unterdessen dauerte die Prüfung von Handkes Staatsbürgerschaft weiter an.

Unterstützt wird der Appell unter anderem von der deutsch-kroatischen Autorin Alida Bremer und der französischen Journalistin und Schriftstellerin Florence Hartmann. Initiatorin Sabanovic hofft auf mehrere Tausend Teilnehmer. 1.000 würden es jedenfalls, sagte sie gegenüber der Tageszeitung "Dagens Nyheter".

Außer den genannten Autorinnen hat eine weitere Opfervereinigung, jene der ehemaligen Konzentrationslagerinsassen in Bosnien und Herzegowina, ihre Beteiligung an der geplanten Demonstration bestätigt. Sabanovic zufolge ist die Veranstaltung bereits bei den Behörden beantragt.

Unterdessen dauert die Prüfung der Staatsbürgerschaft von Peter Handke durch das zuständige Amt der Kärntner Landesregierung länger als erwartet. Es seien noch nicht alle Ermittlungsschritte durch die Landesamtsdirektion abgeschlossen, hieß es in einer Aussendung am Freitag. Wie lange die Prüfung noch dauert, war zunächst unklar. Vergangene Woche war die Frage nach der Staatsbürgerschaft Handkes aufgetaucht, nachdem Medienberichte den Umstand thematisiert hatten, dass dem Autor im Jahr 1999 ein jugoslawischer Pass ausgestellt worden war. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sagte, dass er ein Ergebnis der Prüfung für diese Woche erwarte.

Nun gab die Landesregierung bekannt, dass eine von Handke unterzeichnete Stellungnahme vorliege. Demnach sei ihm 1999 in der Botschaft des damaligen Rest-Jugoslawiens in Wien ein "Gefälligkeitspass" überreicht worden, dessen Funktion mit der Erleichterung seiner Recherche-Reisen in diesen Gebieten begründet wurde. "Nie waren für mich Anzeichen gegeben, dass mit dieser Übergabe eine jugoslawische Staatsbürgerschaft verbunden sein würde, zu keiner Zeit habe ich diesbezüglich aktive Schritte unternommen", so Handke in dem Schreiben.

Kaiser betont in der Aussendung, er habe keine Zweifel daran, dass Handke österreichischer Staatsbürger ist. Weil aber für alle die gleichen Rechte und Pflichten gelten, habe Kaiser die Prüfung beauftragt. "Daher habe ich in dieser Verantwortung und ungeachtet meiner persönlichen Meinung über ein Foto eines Reisepasses, das seit längerer Zeit in der Nationalbibliothek öffentlich einsehbar war, die Landesamtsdirektion wie gesetzlich vorgesehen aufgefordert, den Sachverhalt zu prüfen, was auch unverzüglich erfolgt ist."

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