28. Oktober 2019 18:43

Politik

Proteste im Irak - Regierung verhängt Ausgangssperre

Im Irak nehmen die Spannungen nach erneuten Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und regierungskritischen Demonstranten zu. Die Regierung in Bagdad verhängte am Montag nach vier Tagen massiver Proteste eine ab Mitternacht (Ortszeit) geltende nächtliche Ausgangssperre. Kurz darauf forderte der einflussreiche schiitische Geistliche Moktada al-Sadr vorgezogene Neuwahlen.

Allein am Montag waren bei Straßenschlachten zwei Menschen getötet und 112 verletzt worden. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen und von Ärzten starben die beiden Demonstranten weil Einsatzkräfte Tränengasgranaten direkt auf ihre Köpfe abfeuerten. In diesem Monat sind rund 230 Menschen bei den Auseinandersetzungen ums Leben gekommen.

"Nein, wir werden bleiben", sagte einer der Demonstranten über die Ausgangssperre zu Reuters. Auch wenn es Tausend "Märtyrer" geben werde.

Studenten und Schüler setzten am Montag ihre Proteste in Bagdad und in mehreren Städten im Süden des Landes fort. Die Hochschul- und Schulgewerkschaft in der 180 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Diwanija rief zu einem zehntägigen Streik bis zum Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi auf. Tausende Studenten und Professoren folgten dem Aufruf.

Die Regierung hatte Studenten und Schüler zuvor vor der Teilnahme an den Protesten gewarnt. Ein Regierungssprecher drohte mit "schwerer Strafe" im Fall neuer Protestaktionen.

Auslöser der Proteste war ursprünglich neben Korruption und hoher Arbeitslosigkeit die schlechte Strom- und Wasserversorgung im Land. Inzwischen richten sich die Proteste aber zunehmend gegen die politische und religiöse Elite des Landes.

© APA