3. November 2019 16:20

Politik

Proteste im Irak halten an - 120 Verletzte bei Sitzblockade

Die regierungskritischen Proteste im Irak halten an. In Bagdad blockierten Demonstranten am Sonntag mehrere Hauptstraßen, was nach Angaben von Augenzeugen zu massiven Staus führte. Mehrere Stunden später waren die meisten Routen aber wieder frei. Über das Wochenende kam es auch zu Protesten um den wichtigen Hafen in Umm Kasr, bei denen mindestens 120 Menschen verletzt wurden.

Dort setzten Sicherheitskräfte nach Angaben der irakischen Kommission für Menschenrechte auch Tränengas ein und gaben Warnschüsse ab. Die Schulen blieben am Sonntag - im Irak ein normaler Arbeitstag - in mehreren Landesteilen geschlossen. Die unabhängige Lehrergewerkschaft hatte entgegen einer Warnung des Bildungsministeriums zu einem fünftägigen Streik aufgerufen. Daraufhin schlossen die meisten Schulen im Land ihre Tore und die Schüler strömten zu Protesten auf zentrale Plätze, wie Anrainer berichteten.

In Umm Kasr nahe der südirakischen Stadt Basra eskalierte die Lage am Samstag nach einer dreitägigen Sitzblockade an den Hafentoren. Augenzeugen berichteten, dass die Sicherheitskräfte dort rund 1.000 Demonstranten angegriffen hätten. Die Kommission für Menschenrechte rief die Demonstranten auf, die Blockade des einzigen Tiefwasserhafens des Landes zu beenden. Die Häfen seien für die irakische Wirtschaft von großer Bedeutung. Der Betrieb des Hafens hatte wegen der Blockade komplett eingestellt werden müssen.

Seit Anfang Oktober kommt es im Irak zu landesweit zu Protesten mit Hunderttausenden Demonstranten. Sie richten sich gegen Korruption und Misswirtschaft. Die Menschen beklagen sich über einen Mangel an Arbeitsplätzen und schlechten Zugang zu Strom und Trinkwasser. Bisher wurden bei den Protesten mindestens 260 Menschen getötet und mehr als 11.000 Personen verletzt.

Die Kritik anderer Länder und von Menschenrechtsorganisationen wies die irakische Regierung zurück. Alle Seiten seien aufgerufen, die Souveränität des Irak zu respektieren und sich nicht in innerstaatliche Angelegenheiten einzumischen, teilte das Außenministerium der staatlichen Nachrichtenagentur INA zufolge mit.

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