1. November 2019 10:21

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Rapper RAF Camora sieht sich am "Zenit"

Sein Weg ging zuletzt nur nach oben: RAF Camora gehört aktuell zu den erfolgreichsten Rappern im deutschsprachigen Raum. Der im 15. Wiener Bezirk aufgewachsene Musiker, der bereits seit vielen Jahren in Berlin lebt, sieht sich selbst am "Zenit". Das so betitelte, heute erschienene Album soll sein letztes sein - und doch hat RAF Camora für seine Fans noch mehr in petto.

Es waren Tausende junger Anhänger, die sich Ende August am Wiener Donaukanal drängten. Ihr Idol hatte gerufen: Raphael Ragucci, wie RAF Camora heißt, hatte über Soziale Netzwerke etwas ganz besonderes angekündigt, was sich die rapinteressierte Jugend nicht zweimal sagen ließ. Binnen weniger Stunden wuchs die PR-Aktion zu einem regelrechten Stunt, fuhr Camora mit einem Wagen durch die Innenstadt, Goodies verteilend, bevor es auf ein Speedboot ging und schließlich auf die Fassade eines Hotels der Veröffentlichungstag seiner neuen Platte projiziert wurde.

Nun ist "Zenit" da und bietet das, was in den vergangenen Jahren für Streams in Millionenhöhe sorgte. Sogar die Regeln für die heimischen Musikcharts mussten geändert werden, als sich RAF Camora mit seinem Partner Bonez MC dort im Vorjahr 13 der ersten 15 Plätze sicherte. "Aus Geschäftssicht ist es unlogisch aufzuhören, wenn richtig Geld fließt", sagte er nun dem "Red Bulletin"-Magazin in einem seiner mittlerweile seltenen Interviews. "Aber ich bin nicht nur Geschäftsmann, sondern auch Künstler."

Und als Künstler liefert er wohl genau das ab, was sich die Kids erhoffen: Bullig dargebrachte Raps, unterlegt von gerne theatralischen Beats sowie angereichert mit Dancehall- und Reggae-Zitaten. Hinzu kommt der regelmäßige Einsatz von Stimmeffekten, die besonders den Hooks einen melodischen Charakter verleihen. Inhaltlich geht es natürlich um alles: Die eigenen Erfolge werden gepriesen, die Kritiker abgekanzelt und Family, Friends und Hood auf einen Sockel gestellt. Immer wieder fällt dabei das Wörtchen Wien - seine Wurzeln sind RAF Camora auch nach Jahren des Erfolgs mehr als wichtig.

Dass die Zahlen stimmen, das weiß der Rapper natürlich. "Laut Statistik besser als nie", bellt er schon im Opener "Zenit", und ein Blick auf Spotify beweist: Die Vorabsingles "Adriana" oder "Vendetta" kommen schon auf weit mehr als zehn Millionen Plays. Das neue Video zu "Sag ihnen" kratzt bei YouTube nach etwas mehr als 24 Stunden ebenfalls schon an der Millionenmarke. Besser, stärker, potenter - all das beansprucht RAF Camora in den Songs von "Zenit" für sich. Dabei habe er sich geschworen: "Sollte ich mal erfolgreich werden, will ich meinen Zenit auf keinen Fall überschreiten", so der Musiker im Interview. "Bis hierher war es super. Aber wenn ich weitergehen würde, wäre ich als RAF Camora nicht mehr hungrig genug."

Goldene Schallplatten, ausverkaufte Konzerte landauf, landab, frenetische Anhänger - was folgt also? Die Musik soll Lebensinhalt bleiben, stellte der Rapper klar. "Aber nicht das, was RAF Camora jetzt macht." Als Produzent werde er weitermachen, ob seine Stimme dabei zu hören sein wird, das will er allerdings nicht sagen. "Ich liebe Musik, ich atme Musik, ich mach Musik, seit ich vier Jahre alt bin." Und ganz vorbei ist es ja doch nicht, immerhin versteckt sich in der Deluxe-Box des neuen Albums der Hinweis auf "Zenit RR": Dieser Appendix zum Abschied mit ebenfalls neuem Material soll am 10. Jänner 2020 folgen.

Gut möglich, dass bis dahin ein paar weitere Rekorde fallen. Außerdem dürften sich im kommenden Jahr noch einige Gelegenheiten bieten, um RAF Camora live zu erleben. Bereits angekündigt wurde etwa ein Auftritt beim Frequency-Festival in St. Pölten. Am Schließen dieses Kapitels seiner Karriere will Raphael Ragucci aber jedenfalls festhalten. Als Enddatum nannte er den 18. Dezember 2020. "Ich werde in diesen eineinhalb Jahren arbeiten, wie ich noch nie gearbeitet habe", betonte er im "Red Bulletin". Man wird sehen, was danach kommt.

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