7. November 2019 14:12

Chronik

Reges Publikumsinteresse am Seisenbacher-Prozess

Reges Publikumsinteresse gibt es am Prozess gegen den zweifachen Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher, welcher sich in Kürze wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses am Wiener Landesgericht verantworten muss. Das Gericht wird daher den Zutritt für Besucher beschränken, wie Behördensprecherin Christina Salzborn am Donnerstag mitteilte.

Demnach stehen an den beiden Verhandlungstagen - am 25. November und am 2. Dezember - im Großen Schwurgerichtssaal für Kiebitze insgesamt 60 Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Eine Anmeldung für diese Plätze ist ab 18. November unter LGSWien.Praesidium@justiz.gv.at möglich, wobei pro Person und Termin ausschließlich eine Platzkarte reserviert wird. Die Platzkarten werden an den jeweiligen Verhandlungstagen beim Eingang zum Großen Schwurgerichtssaal ausgegeben. Werden die reservierten Karten nicht bis spätestens 9.00 Uhr behoben, verfallen sie und werden weitergegeben.

Von dieser Maßnahme nicht betroffen sind Medienvertreter. Diese haben sich unter christina.salzborn@justiz.gv.at und dem Betreff "Hauptverhandlung Peter Seisenbacher" anzumelden, um sicherzugehen, dass sie zur Verhandlung zugelassen werden. Eine gesonderte Akkreditierung ist nicht erforderlich.

Seisenbacher hätte sich schon im Dezember 2016 vor einem Wiener Schöffensenat zu verantworten gehabt. Er nutzte damals den Umstand, dass er im Vorfeld nicht in U-Haft genommen worden war, um sich kurz vor Verhandlungsbeginn ins Ausland abzusetzen. Seine Flucht führte ihn von Georgien in die Ukraine, wo er im August 2017 von Zielfahndern des Bundeskriminalamts aufgespürt wurde. Die Ukraine lehnte allerdings aus formalen Gründen die Auslieferung des Ex-Judokas an die Wiener Justiz ab, weil die ihm vorgeworfenen Taten nach ukrainischem Recht verjährt wären.

Eng wurde es für Seisenbacher, als die Ukraine im heurigen Mai ein Zusatzprotokoll des Europäischen Auslieferungsübereinkommens unterzeichnete. Er musste befürchten, jetzt doch der heimischen Justiz übergeben zu werden. Beim Versuch, sich über die polnische Grenze aus der Ukraine abzusetzen, wurde er Anfang September festgenommen und in weiterer Folge nach Wien überstellt. Seit 14. September befindet er sich in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in U-Haft.

Seisenbacher hat sich zu den Missbrauchs-Vorwürfen bisher nicht öffentlich geäußert. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Ihm wird vorgeworfen, sich nach seiner aktiven Karriere in seinem Wiener Judo-Verein zwischen 1997 und 2004 an zwei im Tatzeitraum unmündigen Mädchen vergangen zu haben. Eine weitere Jugendliche wehrte ihn laut Anklage ab, als er zudringlich wurde - die Staatsanwaltschaft hat dieses Faktum als versuchten Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses angeklagt.

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