23. Oktober 2019 12:51

Politik

Russische Militärpolizei-Einheiten rücken in Nordsyrien vor

Nach der Einigung von Russland und der Türkei über die gemeinsame Kontrolle eines Grenzstreifens in Nordsyrien sind Einheiten der russischen Militärpolizei in die Gebiete vorgerückt. Das teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch mit. Demnach habe der Konvoi um 12.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MESZ) den Fluss Euphrat überquert und sei weiter Richtung Norden unterwegs, hieß es.

Syrische Militärkreise berichteten, russische Militärpolizisten seien mit vier Fahrzeugen in die Grenzstadt Kobane eingerückt und hätten in Richtung des Grenzübergangs bewegt. Die kurdische Miliz YPG hatte die islamistische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Frühjahr 2015 aus Kobane vertrieben. In der vergangenen Woche verließen die bisher mit den Kurden verbündeten US-Truppen ihren dortigen Stützpunkt.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Mittwoch im Gespräch mit staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die russisch-türkischen Grenzpatrouillen seien wichtig, um zu verhindern, dass YPG-Kämpfer über die Grenze in die Türkei gelangten und um deren Infrastruktur zu zerstören. Für die Patrouillen gebe es keine zeitliche Limitierung.

Mit den beiden Abkommen mit den USA und Russland über Nordsyrien kommt die Türkei ihrem Ziel einer sogenannten Sicherheitszone an der Grenze sehr viel näher und gewinnt, nach massiven internationalen Protesten gegen ihre Militäroffensive, eine Schlacht, ohne weiterkämpfen zu müssen. Außenminister Cavusoglu sagte im Gespräch mit Anadolu: "Die zwei mächtigsten Länder der Welt haben (somit) die Legitimität der Offensive 'Friedensquelle' anerkannt."

Moskau drohte am Mittwoch seinerseits der Kurdenmiliz YPG. Sollte sie mit ihren Waffen nicht aus den Gebieten abziehen, würden sich zwar die syrische Grenzwächter und die russische Militärpolizei zurückziehen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur TASS zufolge. "Die verbleibenden kurdischen Formationen werden dann aber von der türkischen Armee in der Tat zermalmt."

Mit dem Abzug der US-Truppen aus dem Norden Syriens haben die USA nach den Worten von Peskow die Kurden "betrogen". Mehrere Jahre lang seien die USA die "engsten Verbündeten" der Kurden gewesen, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Kürzlich jedoch hätten die USA die Kurden "fallen gelassen" und damit "praktisch betrogen".

US-Präsident Donald Trump hatte Anfang Oktober den Abzug der US-Truppen aus dem Norden Syriens angekündigt. Die Türkei erhielt dadurch die Möglichkeit zu einer militärischen Offensive in den bisher von den syrischen Kurden kontrollierten Gebieten im Norden Syriens.

© APA