3. Dezember 2018 13:48

Politik

Saisonarbeiter-Lager in Italien wird nach Todesfall geräumt

Nach dem Tod eines 18-Jährigen aus Gambia beim Brand in einem Migrantenlager in Süditalien am Samstag haben die Behörden in San Ferdinando in der Region Kalabrien die Räumung der Barackensiedlung angeordnet, in der sich die Tragödie abgespielt hat. Der Migrant war verbrannt, nachdem sich andere Menschen an einem Feuer in der Barackensiedlung wärmen wollten und dieses außer Kontrolle geriet.

Die Behörden wollen den Migranten Container auf einem Ex-Industriegelände auf der Ebene der Stadt Gioia Tauro zur Verfügung stellen, teilte der Polizeichef von Reggio Calabria, Michele Di Bari, nach Medienangaben mit. Die Siedlung in Kalabrien gehört zu den berüchtigtsten in Italien, weil dort Hunderte Menschen in slumähnlichen Zuständen leben.

San Ferdinando liegt nahe der Kleinstadt Rosarno, in der Tausende Migranten und Flüchtlinge untergebracht sind, die überwiegend in der Landwirtschaft arbeiten. Die Kleinstadt ist bekannt für das angespannte Klima zwischen Einwohnern, eingewanderten - oft afrikanischen - Erntehelfern und Sicherheitskräften. Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften kritisieren die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Migranten als menschenunwürdig. Viele Erntehelfer werden zudem von der "Ndrangheta", der kalabresischen Mafia, ausgebeutet.

Der Tod des jungen Migranten entfachte in Italien erneut die Debatte rund um sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse in der italienischen Landwirtschaft. Zwischen 70.000 und 100.000 Menschen seien auf den italienischen Feldern schwarz beschäftigt und würden Hungerlöhne für ihre harte Arbeit erhalten.

Allein in Süditalien würden 28.000 Migranten in Slums Leben. 70 Prozent seien ohne Vertrag auf den Feldern im Einsatz. 89 Prozent haben nur schlechte Italienisch-Kenntnisse, geht aus einem Caritas-Bericht hervor. Der Handel mit illegalen Immigranten, die auf den Feldern Süditaliens ausgebeutet werden, beschäftigt die italienischen Behörden schon seit Jahren. 40 Prozent der Migranten, die in der süditalienischen Landwirtschaft arbeiten, wohnen in Hütten ohne Strom und Wasser. 30 Prozent von ihnen werden misshandelt. In kaum einem Landwirtschaftsunternehmen werden Saisonarbeiter legal angestellt, berichteten italienische Medien.

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