29. Januar 2020 09:23

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Salondame und Kammerschauspielerin Maresa Hörbiger ist 75

Film und Fernsehen hat die jüngste Tochter von Paula Wessely und Attila Hörbiger eher ihren Schwestern Christiane Hörbiger und Elisabeth Orth überlassen. Kammerschauspielerin Maresa Hörbiger, die am Mittwoch ihren 75. Geburtstag feiert, ist in ihrer Laufbahn vor allem auf der Bühne des Wiener Burgtheaters zu Hause gewesen.

Das eigene Zuhause, die Döblinger Villa ihrer Eltern, hat sie als Salondame 2003 zum "Kultursalon Hörbiger" umfunktioniert, 2008 gründete sie hier gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Karlheinz Hackl das "Theater zum Himmel", das Ende 2014 seine Pforten schloss. Unter dem Titel "Theater im Salon" gab es schließlich in ihrem Privathaus in der Cobenzlgasse eine Wiederauferstehung: Dort stehen demnächst u.a. der Doppelabend "Ich, Casanova" auf dem Programm, bei dem der Schauspieler Joseph Lorenz am 15. und 22. Februar aus den Memoiren von Giacomo Casanova vorträgt. Rund zehn bis zwölf Vorstellungen gibt es dort pro Jahr. Ihren Geburtstag wird Maresa Hörbiger allerdings mit ihrer Familie in Venedig verbringen, wie sie auf APA-Anfrage verriet. Erst im Sommer folgt dann ein Fest für all ihre Wegbegleiter in ihrem Haus in Grinzing.

Die 1945 in Seefeld (Tirol) geborene Schauspielertochter wollte ursprünglich Journalistin werden, ehe sie, nicht zuletzt auf Zuraten Hugo Portischs, am Wiener Max Reinhardt-Seminar eine Schauspielausbildung absolvierte. Nach ersten Engagements in Regensburg und Bern holte sie Gerhard Klingenberg 1972 ans Wiener Burgtheater.

Dort war sie nach ihrem Debüt als Christine in Arthur Schnitzlers "Liebelei" u.a. in Thomas Bernhards "Die Jagdgesellschaft", in Max Frischs "Triptychon", in Peter Handkes "Wunschloses Unglück" und Vaclav Havels "Berghotel" zu sehen. Erfolgreich war sie in jungen Jahren etwa als Recha in Lessings "Nathan der Weise", als Gretchen im "Faust" oder in Kleists "Käthchen von Heilbronn". Außerdem war sie Ibsens "Nora" und die Frau Muskat in Franz Molnars "Liliom", Goethes Klärchen in "Egmont" und die Arsinoe in Molieres "Der Misanthrop".

Mit Annemarie Düringer und Susi Nicoletti spielte Hörbiger in der sehr erfolgreichen Inszenierung von Thomas Bernhards "Der deutsche Mittagstisch". 1996 verkörperte sie in Klaus Pohls "Vinny" die Mutter einer drogensüchtigen Tochter, in Karlheinz Hackls Inszenierung von "Romeo und Julia" übernahm sie die Rolle der Lady Capulet, 1998 und 1999 ging sie mit Schnitzlers "Anatol" auf Tournee - als mondäne Gabriele an der Seite von Alfons Haider.

Außerdem war Hörbiger am Berliner Renaissancetheater (für Tennessee Williams' "Die Katze auf dem heißen Blechdach"), am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und in Reichenau engagiert. Zu ihren Fernseh-Ausflügen zählen Klingenbergs TV-Theater-Version von Schillers "Kabale und Liebe", "Die Heilige Johanna" (1971) und "Der Raub der Sabinerinnen" (1976), für das Kino drehte sie mit Michael Glawogger "Ameisenstraße" (1995) und mit Reinhard Schwabenitzky "Eine fast perfekte Scheidung" (1998). 2008 stand sie als Romy Schneiders Mutter Magda für die "Romy"-Fernsehverfilmung vor der Kamera.

Politisch engagierte sich Hörbiger zuletzt 2016 im Präsidentschaftswahlkampf von Alexander Van der Bellen, in dessen Personenkomitee sie sich fand. Als sich ihre Schwester Christiane Hörbiger im Sommer 2019 im Nationalratswahlkampf mit einem Video zugunsten von Sebastian Kurz zu Wort meldete, schrieb sie auf Facebook: "Als Schwester verbindet mich mit Christiane ein starkes emotionales Band. Dennoch ist es mir wichtig zu sagen, dass ich diese politische Meinung nicht teile und ich mich mit dem Inhalt und der Wortwahl dieser Videobotschaft nicht identifizieren kann. Auch Schwestern können unterschiedlicher Meinung sein."

Hörbiger, die 2005 zur Kammerschauspielerin ernannt wurde und seit 2016 den Professorinnentitel trägt, trat in den vergangenen Jahren unter anderem in Reichenau und am niederösterreichischen Landestheater auf. Im Film stand sie vor einigen Jahren in "Meine Schwester" neben Christiane Hörbiger und ihrem Neffen Cornelius Obonya vor der Kamera ihres Neffen Sascha Bigler. Im Kino war sie im Anschluss u.a. mit "Hexe Lilli rettet Weihnachten", für das Fernsehen stand sie zuletzt in der Krankenhausserie "Dr. Klein" als Galeristin Grit Lang vor der Kamera. Im kommenden Jahr will sie sich vor allem ihren eigenen Projekten für das "Theater im Salon" widmen.

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