22. Januar 2020 17:03

Politik

Saudi-Arabien soll Smartphone von Amazon-Chef gehackt haben

Saudi-Arabien steht Insiderinformationen zufolge im Verdacht, das Telefon von Amazon-Chef Jeff Bezos gehackt zu haben. Eine mit der Sache vertraute Person sagte, diese Vermutung werde von zwei UNO-Vertretern geteilt. Die beiden wollten sich noch am Mittwoch selbst dazu äußern. Riad wies die Vorwürfe als abwegig zurück.

Nach Auskunft des Insiders kam Bezos' Sicherheitsteam in einer kriminaltechnischen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass dessen Mobiltelefon Mitte 2018 vermutlich mittels eines Schadvideos gehackt wurde. Dieses soll von einem WhatsApp-Account gestammt haben, der dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gehört habe. Einen Monat später seien von Bezos' Telefon massenhaft Daten abgesaugt worden.

Die beiden UNO-Vertreter seien der Überzeugung, dass der Bericht glaubwürdig sei und dass sowohl Saudi-Arabien als auch die USA den Vorfall untersuchen sollten. Diese Einschätzung hätten auch externe Fachleute vertreten. Nach deren Ansicht sei der Fall zwar nicht völlig hieb- und stichfest. Aber die Hinweise seien stark genug, um eine weitere Untersuchung zu rechtfertigen. Die beiden UNO-Vertreter arbeiteten an einem umfassenden Bericht, der wohl im Juni den Vereinten Nationen vorgelegt werden solle, sagte der Insider.

Die Beziehungen zwischen Bezos und Saudi-Arabien gelten als angespannt. Am 2. Oktober 2018 wurde der Journalist Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordet, Saudi-Arabien hatte die Tötung zunächst bestritten, diese später aber eingeräumt, nachdem sich Hinweise auf die Täterschaft verdichtet hatten. Im Dezember wurden im Königreich im Zusammenhang mit dem Fall fünf Menschen zum Tode verurteilt.

Khashoggi, der in den USA lebte, war ein harter Kritiker des Kronprinzen Mohammed, der de facto der Herrscher im erzkonservativen Königreich ist. Nach türkischer Darstellung wurde der Mord von höchster saudi-arabischer Stelle angeordnet. Auch der US-Geheimdienst CIA und einige westliche Regierungen zeigten sich überzeugt, Mohammed habe den Mord angeordnet. Khashoggi arbeitete auch als Kolumnist für die Zeitung "Washington Post", die zum Geschäftsimperium von Bezos gehört. Dieser gilt als reichster Mann der Welt.

Die UNO forderte indes eine Untersuchung. Dabei müssten US- und andere relevante Behörden ermitteln, ob der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich in Versuche involviert sei, vermeintliche Gegner ins Visier zu nehmen, teilten zwei unabhängige Experten des UN-Menschenrechtsbüros in Genf mit.

Relevant sei dies auch bei der Klärung der Frage, ob der Kronprinz in den Komplott zur Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi im Oktober 2018 in Istanbul verwickelt war. Die UN-Experten, die Berichterstatterin für willkürliche Hinrichtungen, Agnes Callamard, und ihr für Meinungsfreiheit zuständiger Kollege David Kaye bezogen sich auf forensische Analysen, die zuvor die britische Zeitung "Guardian" publik gemacht hatte.

Saudi-Arabiens Außenminister Prinz Faisal bin Farhan Al-Saud nannte es "absurd", dass der Kronprinz verwickelt sei. "Der Gedanke, dass der Kronprinz Jeff Bezos' Telefon hacken würde, ist absolut lächerlich", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Sein Land werde die Anschuldigungen untersuchen, wenn dazu Beweise vorgelegt werden. Amazon wollte sich nicht zu der Angelegenheit äußern.

Bezos' Sicherheitsteam hatte Ermittlungen aufgenommen, nachdem intime Textnachrichten zwischen dem Amazon-Gründer und dessen neuer Partnerin im "National Enquirer" veröffentlicht wurden. Das Boulevardmagazin steht US-Präsident Donald Trump nahe, der Bezos wiederholt öffentlich attackiert hatte. Die saudi-arabische Regierung hatte dementiert, mit diesen Enthüllungen etwas zu tun zu haben.

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