27. Januar 2020 12:26

Sport

Schladminger Publikum soll ÖSV-Asse hinauf tragen

Wie turbulent es im Slalom-Weltcup derzeit zugeht, hat sich am Sonntag in Kitzbühel wieder gezeigt. Der Sieg ging zwar zum dritten Mal in diesem Ski-Winter an den Schweizer Daniel Yule, die Zahl der Anwärter hat sich aber noch einmal vergrößert. "Vielleicht gibt es dann in Schladming die Revanche", richtete Marco Schwarz den Blick schon auf Dienstag (17.45/20.45 Uhr, live ORF 1) und das Nightrace.

Blutjunge Talente, alte Hasen, diverse Nationalitäten und eine Dichte wie in wenigen anderen Sportarten - die Slalom-Rennen bieten aktuell Spannung und Überraschungsmomente par excellence. Dass auch Österreicher im Kampf um die Spitzenplätze mittendrin sind, liefert einen Grund mehr, warum sich um die Schladminger Planai auch im ersten Jahr nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher die Zuschauermassen tummeln sollten. Mit 45.000 Besuchern rechnen die Veranstalter.

"In Schladming ist es eigentlich der ganze Steilhang, wo dich die Fans runterbegleiten und anfeuern. Das ist von der Stimmung noch einmal eine Stufe cooler", sagte der Kitzbühel-Zweite Marco Schwarz, der elf Monate nach seinem Kreuzbandriss laut eigener Aussage wieder bei seiner Normalform angelangt ist. "Das Skifahren passt", erzählte er, deswegen sei sein erster Weltcup-Sieg in einem Spezialslalom schon beim Flutlicht-Spektakel möglich. "Warum nicht?", fragte der 24-Jährige in die Runde.

Yule war bei seinem ersten Kitz-Sieg nur 0,12 Sekunden schneller als der Kärntner. "Allgemein ist es für mein Gefühl schon eine besondere Geschichte mit Kitzbühel", betonte der Schweizer mit britischen Wurzeln, der in der Gamsstadt 2012 auch sein erstes Weltcup-Rennen bestritten hatte. "Wenn es um etwas geht, kann ich den Knopf noch einmal aufdrehen. Deshalb liebe ich diese Atmosphäre und diesen Druck."

Auf Platz drei fuhr am Sonntag Clement Noel. Der Franzose hatte im Vorjahr in Schladming als Wengen- und Kitz-Sieger nach sechs Fahrsekunden eingefädelt. "Vielleicht ist Kitzbühel das Wichtigste im Skisport. Aber wenn man in Schladming fährt, realisiert man, dass es etwas wirklich, wirklich Großes ist", erklärte der 22-Jährige, dass ein Sieg hier zu seinen wichtigsten Zielen gehört. "Die Atmosphäre ist die beste im ganzen Jahr."

Und diese Atmosphäre soll alle acht Österreicher - Schwarz, Michael Matt, Manuel Feller, Marc Digruber, Fabio Gstrein, Johannes Strolz, Mathias Graf, Adrian Pertl - zu Höchstleistungen anstacheln. Matt brachte in Kitzbühel als Sechster sein erstes Top-Ten-Ergebnis seit Val d'Isere Mitte Dezember in trockene Tücher. Dort war der Tiroler Fünfter gewesen. "In Schladming werden wir die letzten zehn Tore auch noch gescheit fahren", meinte er.

Der 23-jährige Pertl schaffte dank Laufbestzeit im Finale mit Platz acht sein bestes Weltcup-Resultat. "Der Adi ist in den letzten Trainings schon brutal stark gefahren", meinte Schwarz über seinen Kärntner Landsmann. In Schladming wolle es dieser genauso anlegen. "Ich werde schauen, dass ich im ersten wieder in die 30 reinfahre", sagte Pertl, der auch von den Trainern zuletzt viel Lob eingeheimst hatte. "Ich bin in Schladming in die Schule gegangen, von dem her kenne ich das Rundherum ein bissel und freue mich schon. Ich denke auch, dass mir der Hang liegen wird."

Auf dem Ganslernhang war Pertl mit Startnummer 73 unterwegs. "Es ist wenig Niederschlag überall in den Skigebieten in letzter Zeit. Es ist halt überall Kunstschnee, der viel einfacher zu präparieren ist für eine Weltcup-taugliche Piste", erläuterte sein Teamkollege Gstrein. "Deswegen ist das eigentlich überall jetzt eine gleich gute Piste gewesen, die bis zum Schluss durchhält. Da kannst du bist zum Schluss Wahnsinnszeiten fahren."

Mit seiner eigenen Leistung war Gstrein als Kitzbühel-16. nicht ganz zufrieden und will es in Schladming besser machen. Im Vorjahr hatte er sich dort nicht fürs Finale qualifiziert. "Oben muss man brutal rauspushen. Da habe ich mir letztes Jahr noch recht schwergetan, aber ich glaube, das geht heuer schon ein bissel leichter", meinte der 22-Jährige. "Ich glaube, je mehr Leute in Schladming zuschauen, umso leichter ist es für uns, wenn sie uns runtertragen."

Ziemlich niedergeschlagen gab sich Feller, dem nach seinem Bandscheibenvorfall vom Dezember in Kitzbühel erneut die Luft für ein furioses Finale fehlte. Platz 13 stand am Ende in der Ergebnisliste. "Es ist eine schwierige Zeit. Ich weiß nicht genau, was ich momentan sagen soll. Vielleicht schaut es am Dienstag anders aus", konstatierte der 27-Jährige. "Wahrscheinlich wird es so sein, dass es erst über den Sommer so werden wird, wie es vorher war. Das heißt aber nicht, dass nicht das eine oder andere Rennen sehr, sehr gut funktionieren kann."

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