27. Dezember 2019 08:09

Sport

Schlierenzauer: "Was früher war, zählt heute nichts"

Der erfolgreichste Skispringer der Weltcupgeschichte gehört auch bei der diesjährigen Vierschanzentournee nicht zum Favoritenkreis. Die Anzeichen, dass Gregor Schlierenzauer den steinigsten Weg seiner Karriere übersprungen haben könnte, aber mehren sich. Zwar waren die bisherigen Saisonresultate des Tirolers durchwachsen, aber es gab auch Ausreißer nach oben und einzelne Topsprünge.

Platzierungen von vier und 44, zwölf und 37 belegen zunächst eine gewisse Inkonstanz. Einzelne Topsprünge, darunter eine Bestweite wie in Nischnij Tagil, zeigen aber auch, dass Schlierenzauer fünf Jahre nach seinem 53. und letzten Weltcup-Sieg wieder an der Weltspitze anklopft. "Ich habe gehofft, vor der Tournee das eine oder andere Erfolgserlebnis landen zu können, so gesehen stimmt mich die Entwicklung durchaus positiv", erklärte Schlierenzauer gegenüber der APA.

Sein Jugendtrainer einst in Stams, der langjährige Cheftrainer der Deutschen, Werner Schuster, hilft dem am 7. Jänner 30 Jahre alt werdenden Schlierenzauer seit einigen Monaten zusätzlich zu den ÖSV-Trainern auf die Sprünge. Zunächst war beim "Mordstüftler" (Schuster) Schlierenzauer Aussortieren angesagt. "Wir mussten eine Grundlage schaffen in seiner Technik und haben die ganze Materialfrage etwas runtergeschraubt auf, ich sage einmal, ein Standard-Set-up, um wieder den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Beim Gregor musste man zuerst entrümpeln", sagte Schuster im November gegenüber dem "Standard".

Seither zeigte "Schlieri" schon Vielversprechendes. "Die Richtung und der Kurs passen, aber es war klar, dass gerade die Konstanz eine Frage von Geduld und Beharrlichkeit ist und der Prozess nicht von heute auf morgen passiert", erklärte der einstige Seriensieger nun.

Die erneute Zusammenarbeit zwischen dem Lehrer Schuster und seinem früheren Schüler würde im Erfolgsfall zum Symbol einer kitschigen Wiederauferstehungs-Geschichte eines gefallenen Sporthelden werden. Schuster weiß um dieses Potenzial, er stand vor der Vierschanzentournee für ein Interview nicht zur Verfügung. Er plane, im Hintergrund zu bleiben, richtete er aus.

Vielleicht ahnt er auch, dass Schlierenzauer kurz vor dem Anschluss an die Weltspitze steht, die Tournee aber wohl zu früh kommt. Philipp Aschenwald, dem heuer schon zweimal der Sprung aufs Podest gelang, sagt: "Der Gregor erinnert beim Zuschauen manchmal wieder an den Gregor, den man von früher kennt. Er ist halt noch ein bisserl inkonstant."

In dieser Hinsicht kommt Schlierenzauer die Tournee gelegen. "Ich freue mich auf das spezielle Flair, den dieses großartige Sportereignis ausstrahlt, wir haben innerhalb weniger Tage sehr viele Sprünge - das ist genau, was ich aktuell brauche", meinte der Bewerbssieger von 2011/12 und 2012/13.

Die Gefahr, beim Schanzen-Spektakel zu früh zu viel zu wollen, sieht er nicht. "Ich gehöre definitiv nicht dem Kreis der Favoriten und Siegesanwärter an. Das, was früher war, zählt heute nichts", betonte er. "Vielleicht gelingt es mir, das eine oder andere persönliche Highlight zu setzen. Ich gehe das Thema jedenfalls ohne Druck oder Tunnelblick an."

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