28. Januar 2020 16:33

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Seitensprung mit Folgen - Ex-König erkennt Tochter an

Es ist die erwartete Sensation: Belgiens Ex-König Albert II. erkennt seine uneheliche Tochter Delphine Boël an. In einem jahrelangen Rechtsstreit hat die Künstlerin den 85-Jährigen zum Eingeständnis seines folgenreichen Seitensprungs gezwungen.

Am Ende war die Wissenschaft stärker als der alte Monarch: Ein Erbgut-Test hat Belgiens Ex-König Albert II. als untreuen Ehemann überführt. Unter der Last der Beweise räumte der heute 85-Jährige seine Vaterschaft an Delphine Boël ein, einer Künstlerin, die seit Jahren für ihre Anerkennung als Königstochter kämpfte. "51 Jahre zu spät", wie die flämische Zeitung "Het Laatste Nieuws" am Dienstag titelte.

Die 1960er - das waren auch für Prinz Albert, den Bruder des damaligen Königs Baudouin, die wilden Jahre. Er galt als Frauenheld, hatte die italienische Adelige Paola Ruffo di Calabria geheiratet. Die schöne Paola hatte den Ruf einer unzähmbaren Party-Prinzessin. Und Prinz Albert nutzte mit seinem Porsche wohl den diskret verborgenen Parkplatz der Baronin Sybille de Sélys Longchamps, die am 22. Februar 1968 ein Mädchen auf die Welt brachte: Delphine.

Lang habe sie ein gutes Verhältnis zu ihrem leiblichen Vater gehabt, erzählte die Künstlerin vor Jahren in einem Interview. Doch anerkennen wollte der inzwischen abgedankte Vater des heutigen Königs Philippe die Tochter nicht. Deshalb ging Delphine Boël an die Öffentlichkeit, bemühte die Gerichte. Die drohten dem Ex-König sogar ein Zwangsgeld von 5.000 Euro pro Tag an, wenn er sich einem DNA-Test weiter verweigere. Albert II. unterzog sich letztlich dem Test, wollte dessen Ergebnis aber nicht veröffentlicht sehen, obwohl er darauf beharrte, dass er nicht Delphines Vater sei.

Da hatte sich die belgische Öffentlichkeit längst eine Meinung über den Fall gebildet - allein die physische Ähnlichkeit von Vater und Tochter wirkt auf vielen Fotos frappierend. Schon eine Biografie über Königin Paola erwähnte Ende der 1990er Jahre eine uneheliche Tochter Alberts. Der König äußerte sich nur indirekt und sagte in seiner traditionellen Weihnachtsansprache, seine Ehe habe "glückliche Phasen, vor mehr als dreißig Jahren aber auch die Krise" gekannt. Viele verstanden das als Eingeständnis der Affäre.

Erst diese Woche aber ließ Albert seinen Anwalt Alain Berenboom mitteilen, der Gentest habe die Vaterschaft nachgewiesen. Begleitet war dieses Eingeständnis von der Erklärung, Albert sei seit Boëls Geburt 1968 an keinerlei Entscheidung bezüglich ihrer Familie oder Erziehung beteiligt gewesen. Vielmehr habe er immer die Beziehung der Frau zu deren rechtlichem Vater respektiert. 40 Jahre später habe Boël ihre rechtliche und emotionale Beziehung zu ihrem Vater abgebrochen und "die Familie gewechselt", zitierte der Sender RTBF aus der Erklärung des Anwalts.

Für die späte Anerkennung seiner unehelichen Tochter Delphine Boel ging die belgische Presse mit Ex-König Albert II. hart ins Gericht. Die Geste komme "zu spät", schrieb die Zeitung "Le Soir" am Dienstag. Das hätte schon "vor 20, 10, 5 Jahren" passieren müssen. Für das flämische Blatt "Het Laatste Nieuws" stellte er mit seiner langen Weigerung seinen "Egozentrismus" unter Beweis.

Am Montagabend gaben die Anwälte von Albert II. bekannt, dass der Monarch die 51-Jährige als seine uneheliche Tochter anerkenne. Er wolle "diesem lästigen Verfahren in Ehre und Würde ein Ende setzen". Die Übernahme von Verantwortung nach einem erzwungenen Vaterschaftstest erfordere jedoch "keine Großzügigkeit, keinen Edelmut des Geistes", widersprach "Het Laatste Nieuws". Die verspätete Anerkennung zeuge stattdessen von der Starrköpfigkeit des Ex-Königs "und der Tatsache, dass er in einer anderen Welt lebte".

Die Vaterschaft sei schon lange "offensichtlich" gewesen, fuhr "Le Soir" in seinem Leitartikel fort. "Nur der König leugnete es weiterhin." Er, als "Herz einer Institution", habe mit seiner Weigerung ein schlechtes Beispiel abgegeben.

"La Libre Belgique" sah immerhin ein "Zeichen der Beschwichtigung". Die Zeitung bezweifelte jedoch, dass Boel "in diesen kalten und distanzierten Worten" nicht nur die rechtliche, sondern auch die erhoffte emotionale Anerkennung finden werde. Die königlichen Anwälte hatten in ihrer Erklärung unter anderem bedauert, dass bei dem 2013 begonnenen Rechtsstreit "das Privatleben der Beteiligten nicht respektiert" worden sei.

Tatsächlich kommen uneheliche Kinder in den besten Familien vor. So erkannte Fürst Albert II. von Monaco 2005 seinen unehelichen Sohn Alexandre und ein Jahr später auch die Amerikanerin Jazmin Grace als uneheliche Tochter an - Monacos Thronfolge berücksichtigt allerdings nur ehelich geborene Kinder. Und nach dem Tod des niederländischen Prinzen Bernhard 2004 veröffentlichte die Zeitung "Volkskrant" ein Interview, in dem Bernhard zwei uneheliche Töchter zugab. Die Französin Alexia und die Amerikanerin Alicia seien Halbschwestern von Königin Beatrix, sagte der Prinz demnach.

Für Europas Adelshäuser sind solche Geständnisse noch immer peinlich. Aber das Mittelalter, als Herrscher manchen Überlieferungen zufolge bei jungen Bräuten ein Recht der ersten Nacht geltend machten, ist vorbei. Auch uneheliche Kinder fordern die Verantwortung ihrer Väter ein. Und selbst wenn ein König sich weigert, helfen - wie in der "Affäre Delphine" - die Justiz und die moderne Wissenschaft.

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