4. Dezember 2019 21:54

Sport

"Stehaufmännchen" Mayer nach Sturz gleich wieder schnell

Nur 24 Stunden nach seinem schweren Sturz im Riesentorlauf-Training hat Matthias Mayer im ersten Training für die Weltcup-Abfahrt in Beaver Creek gleich groß aufgezeigt. Der Kärntner belegte am Mittwoch 0,30 Sek. hinter dem Amerikaner Ryan Cochran-Siegle sowie Aleksander Aamodt Kilde (NOR) Platz drei. Mayer war am Dienstag heftig gestürzt und hatte eine Muskelverletzung im Hüftbereich erlitten.

Trotz aller Unsicherheit war der Olympiasieger drei Tage nach seinem Sieg im Super-G von Lake Louise auch beim ersten Abtasten auf einer der schwierigsten Abfahrtsstrecken der Welt gleich wieder bester Österreicher. Vincent Kriechmayr (+0,39) kam nach einem Torfehler auf die fünftschnellste Zeit. Das Programm in Colorado beginnt am Freitag mit dem Super-G, die Abfahrt findet am Samstag statt. Am Sonntag folgt in Colorado noch ein Riesentorlauf.

"Es ist wirklich gut gegangen, ich bin selbst überrascht", sagte Mayer nach seiner Fahrt mit Startnummer 9, bei der alle Zwischenzeiten "grün" aufgeleuchtet hatten. "Gestern war ich nicht sicher, ob es heute überhaupt gehen wird. Super, wenn das dann so klappt", freute sich Mayer. "Denn hier runter, das ist keine leichte Strecke. Es gibt viele Sprünge und Wellen, die man gut erwischen muss", sagte der Kärntner nach seiner Fahrt auf der spektakulären "Raubvogelpiste".

Mayer unterstrich damit, dass er zu Saisonbeginn in Form ist und ihn offenbar nicht einmal ein heftiger Sturz wirklich außer Tritt bringen kann. "Aber am ersten Tag fährt sicher nicht jeder Vollgas, alle sind eher ein bissel ruhiger unterwegs", relativierte Mayer seine Platzierung. "Aber", so gab er immerhin zu, "ein gutes Gefühl ist es schon".

Er müsse sich jedenfalls bei seinen Physios und Betreuern bedanken. "Unglaublich, wie sie gleich an mich drangegangen sind und welche Arbeit sie abgeliefert haben", so Mayer. "Ich habe gut geschlafen und in der Früh war es deutlich besser." Er dürfe jetzt bei dieser Arbeit nicht nachlassen. "Es ist nicht hundertprozentig weg. Ich habe auch eine leichte Knieprellung von einer Torstange, die sich beim Sturz herumgewickelt hat. Das spürt man nach den Landungen bei den weiten Sprüngen natürlich."

Die meisten Fahrer wünschten sich aufgrund der aktuellen Streckenbeschaffenheit ein weiteres Abfahrtstraining am Donnerstag. Dieses ist wegen Neuschnee und Schlechtwetter aber fraglich. "Es war ein bissl Achterbahnfahren heute. Die Wellen und Sprünge sind heuer extrem ausgeprägt, es geht richtig zur Sache", beschrieb es Hannes Reichelt.

"Es ist definitiv nicht langweilig, man hat immer was zu tun", befand der 39-jährige Routinier aus Salzburg, der Beaver Creek zu seinen Lieblingsstrecken zählt. "Heute hat man schon im ersten Training einige wilde Figuren gesehen. Ich bin eher auf Sicherheit gefahren und muss mich noch steigern."

"So ein ausgeprägtes Gelände haben wir hier noch nie gehabt", staunte auch Otmar Striedinger. "Die Sprünge gehen extrem weit, der Kompletteste wird hier gewinnen", ist Striedinger überzeugt

Sein Kärntner Landsmann Max Franz, im Vorjahr in Beaver Creek Gewinner des Super-G, laboriert immer noch an den Rückenproblemen aus Lake Louise und gestand ein: "Ich habe unterschätzt, wie hoch das Tempo ist. Einmal war's richtig brenzlig, das hat mir ein bissl die Schneid abgekauft. Ich hätte gerne noch ein zweites Training."

Kriechmayr zeigte sich bei einer etwas überraschenden Bestzeit von Cochran-Siegle über Platz fünf nicht wirklich glücklich. "Ich habe ein Tor ausgelassen, also war es doch nicht so gut", sagte der Oberösterreicher und erklärte: "Die Strecke ist heuer sehr fordernd. Viele Wellen, die Sprünge gehen sehr weit. Die Zuschauer werden im Fernsehen ihren Spaß haben."

Aber auch Kriechmayr hat die Form von Platz drei in Kanada (Super-G) nach Colorado mitgebracht. "Auch wenn es schwierig ist, macht es hier immer Spaß", meinte er über die Rennfahrerei in den Rocky Mountains auf rund 3.000 Metern Seehöhe. "Heute hat sich auch die Konkurrenz sehr schwergetan."

Unglücklich ist die USA-Reise hingegen für Manuel Feller verlaufen, der beim Weltcup-Riesentorlauf in Beaver Creek am kommenden Sonntag nicht an den Start gehen kann. Der Tiroler hat einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule erlitten und wird Donnerstag die Heimreise antreten.

Wie tags zuvor beim Trainingssturz von Matthias Mayer hatte das Unheil auch bei Feller beim Riesentorlauf-Training in Vail seinen Lauf genommen. Der 27-Jährige verspürte schon bei der ersten Fahrt einen stechenden Schmerz und brach das Training sofort ab. Danach begab sich der Österreicher zur Abklärung in die Steadman Clinic. Wie lange die Pause bzw. der Ausfall für den Technik-Spezialisten dauert, war vorerst nicht abschätzbar.

Das Training der ÖSV-Riesentorlaufgruppe hatte in Copper Mountain unweit von Vail stattgefunden. Nach einer MR-Untersuchung in der Steadman Clinic in Vail wurde bei Feller ein akuter Bandscheibenvorfall diagnostiziert. Für Feller wird der Vorarlberger Magnus Walch nachnominiert.

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