3. März 2020 14:42

Chronik

Storchennester-"Frühjahrsputz" in Rust im Burgenland

Bald werden im Burgenland die ersten Störche erwartet. Bevor die majestätischen Vögel einfliegen, gibt es in Rust am Neusiedler See einen Quasi-Pflichttermin: Mitglieder des Storchenvereins verbringen einen Tag damit, die Nester der gefiederten Sommergäste herauszuputzen, damit diese ihren Nachwuchs möglichst optimal aufziehen können. Am Dienstag war es für die Helfer wieder einmal so weit.

Seit 26 Jahren nimmt sich der Storchenverein der Tiere an. Und seit Jahrzehnten wird die Aktion zur Nestreinigung durchgeführt - "jedes Jahr mit einer neuen Lernphase", schilderte Vereinsobmann Josef Karassowitsch im APA-Gespräch. "Früher hat man ganz anders gearbeitet. Jedes Jahr lernt man etwas Neues dazu, auch beim Nester machen - wie man es besser macht."

Mittels einer Teleskop-Arbeitsbühne gelangen die freiwilligen Helfer in den "Luftraum" über den Dächern, welchen den Störchen sonst kaum jemand streitig macht. Deshalb lassen zwei Adebare die Plattform auch bis auf wenige Meter herankommen, bevor sie unaufgeregt das Nest verlassen, auf dem sie sich niedergelassen hatten, um das Treiben unten auf der Straße zu beobachten.

Mit der Arbeitsbühne in die Luft gingen heuer Rudi Karassowitsch und Christian Lackner. Was man besonders beachten muss bei den Storchennestern? "Dass sie fest verbunden sind mit dem Eisengrund und dass sie wirklich jedes Jahr desinfiziert werden. Das ist das Allerwichtigste", schilderte Lackner. Der Schmutz wird gelockert und ausgeräumt. Sind die Reben schon recht morsch, dann gehört das Nest ausgetauscht - ebenso wenn der Unterboden hin ist.

Die großen, geflochtenen Ringe, die statt der spröde gewordenen Nester auf einem Metallgestell über den Rauchfängen befestigt werden, seien eigentlich nur das Grundgerüst, erläuterte Karassowitsch: "Von dem Moment, wenn der Storch das Nest anfliegt, wenn er vom Süden kommt, baut er eigentlich, bis er wieder fortfliegt. Ich sage immer: Wir machen den Keller - und das Haus baut sich dann der Storch selber."

In Rust galt es, 33 Nester zu säubern oder zu erneuern. "Dann machen wir noch Oggau, Oslip und Mörbisch mit. Heuer haben wir 43 Nester zum Bearbeiten. Unsere Arbeit fängt eigentlich an im Jänner beim Holen der Reben", schilderte Karassowitsch. In den Wochen danach werden dann die Nester gemacht und Ende Februar, Anfang März komme immer der Kranwagen - damit die Nester fertig sind, bevor die Störche aus dem Süden eintreffen.

Auch heuer wurden an den vergangenen Wochenenden die künftigen Storchenbehausungen angefertigt. Für Rust habe man zwölf Nester mit dabei: "Zehn werden auf jeden Fall getauscht in Rust heuer und zwei haben wir in Reserve. Ab und zu sieht man von herunten nicht, dass es wirklich so kaputt ist, dass man es tauschen muss. Sicher ist sicher."

"Wir nehmen Weißweinreben, weil die lassen sich am leichtesten biegen", erläuterte der Vereinsobmann die Arbeitsweise. Bevorzugt werde dabei die Sorte Rießling. Rotweinreben hingegen seien eigentlich sehr ungünstig, "weil die brechen beim Biegen". Der äußere Ring werde mit Rießlerreben gemacht. Innen befindet sich eine geflochtene Weidenplatte, damit der Untergrund stabil ist.

Wenn die Störche im Herbst wegfliegen, beginnt Unkraut in den Nestern zu wachsen. "Das wird dann ausgeputzt", beschrieb Karassowitsch die Arbeit der Helfer. "Jedes Nest wird mit einem Desinfektionsmittel gegossen. Das ist auf Jodbasis aufgebaut." Es diene dazu, die Parasiten abzutöten. "Seit wir das machen, haben wir keine Ausfälle mehr bei Jungstörchen." Früher habe man starke Ausfälle gehabt, bis man auf die Parasiten als Ursache gekommen sei und mit der Nester-Desinfektion begonnen habe.

Im Vorjahr wurden in Rust 16 Storchenpaare gezählt, davon 14 Brutpaare mit 35 Jungstörchen. Leider verendeten einige Jungtiere. "Die letzten zehn, zwölf Tage im Mai waren extrem kalt und sehr nass. Und da sind uns leider Gottes sieben umgekommen", erinnerte sich Karassowitsch.

Heuer sei eigentlich ein schöner Winter für die Störche gewesen, weil es nicht so kalt war. "Das Problem für die Störche ist eigentlich nur extremer Frost, wenn die Erde gefriert oder wenn es eine Schneedecke gibt." Dann gebe es für sie keine Nahrung. Ebenso, wenn der Neusiedler See zugefroren sei. Trete eine solche Situation ein, dann wird in der Storchenpflegestation dazugefüttert. Heuer habe man keine fünf oder sechs Tage gehabt, wo man Zufüttern habe müssen.

Nicht alle Störche verlassen im Herbst die Freistadt am Neusiedler See. Drei seien schon über zehn Jahre auch im Winter da. Dazu kommen diesmal noch zwei Jungstörche, die fast vier Wochen später geschlüpft seien als die anderen: "Die sind dann da geblieben", schilderte Karassowitsch. Der Storchenverein Rust habe etwa 480 bis 500 Mitglieder, schätzte der Obmann.

© APA
2019 © PULS 4 TV GmbH & Co KG | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ