19. November 2019 13:57

Politik

Tauziehen in Hongkong um besetzte Universität

Bei den Unruhen in Hongkong liefern sich Aktivisten und Polizei ein Tauziehen um die Belagerung einer Universität. Schätzungsweise rund 100 Studenten hatten sich am Dienstag den dritten Tag in Folge in der von Polizeikräften abgeriegelten Polytechnischen Uni verbarrikadiert. Regierungschefin Carrie Lam versicherte, die Sicherheitskräfte wollten die Besetzung der Universität friedlich lösen.

"Wir sind äußerst besorgt über die gefährliche Situation auf dem Campus", sagte Lam. Sie sah "Demonstranten" und "Aufrührer" am Werk. Die Regierungschefin forderte die Aktivisten auf, die Gewalt zu beenden, ihre Waffen aufzugeben und friedlich das Gelände zu verlassen. Doch die Regierungschefin machte auch deutlich, dass sie dann von der Polizei festgenommen würden. Nur bei den Minderjährigen werde eine Ausnahme gemacht. Von den rund 600 Studenten, die das Universitätsgelände verlassen hätten, seien rund 200 jünger als 18 Jahre alt gewesen.

"Wir überlegen die ganze Zeit, wie wir entkommen können, aber jedes Mal, wenn wir eine Stelle auswählen, sehen wir viele Polizisten in der Nähe", sagte ein 22-Jähriger. "Aber wenn wir aufgeben, sind wir erledigt." Wegen des Vorwurfs des "Aufruhrs" droht ihnen bis zu zehn Jahre Haft.

Allein am Montag wurden nach Informationen der "South China Morning Post" rund 1.000 Personen auf dem Campus im Stadtviertel Hung Hom und in den umliegenden Straßen festgenommen. Die Universitäten der früheren britischen Kronkolonie hatten sich vergangene Woche zu neuen Brennpunkten der Proteste entwickelt. Daraufhin wurden die Studenten vorzeitig in die Semesterferien geschickt.

Auf dem Campus der Chinesischen Universität (CUHK) seien mehr als 8.000 Brandsätze gefunden worden, nachdem sich radikale Kräfte nach viertägigen Auseinandersetzungen mit der Polizei aus der Hochschule zurückgezogen hätten, berichtete die Zeitung. Regierungschefin Lam stellte klar, dass die Polizei die "Aufrührer", die von einer Universität zur anderen zögen, Brandsätze und andere lebensbedrohliche Waffen bauten, strafrechtlich verfolgen werde.

Während Serbien rund zehn Studenten der Polytechnischen Universität ausflog, rief die britische University of Warwick alle ihre Austauschstudenten "aus Gründen der persönlichen Sicherheit" zum Verlassen Hongkongs auf. Von den etwa 70 österreichischen Studenten dürften die meisten die chinesische Sonderverwaltungszone bereits verlassen haben, sagte der Sprecher des Wiener Außenministeriums, Peter Guschelbauer, der APA auf Anfrage. Der Generalkonsul in Hongkong sei mit den Studenten in Kontakt und berate sie. Eine Evakuierungsaktion brauche es nicht, da der Flughafen Hongkong offen sei und es Rückflugmöglichkeiten gebe.

Die gewalttätigen Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion hatten bis in die Nacht angedauert. Schon seit fünf Monaten laufen die Demonstrationen gegen die Regierung, das als brutal empfundene Vorgehen der Hongkonger Polizei und gegen den wachsenden Einfluss der kommunistischen Pekinger Führung. Wegen der Unruhen blieben die Schulen und Kindergärten geschlossen. Doch sollen zumindest Grund- und Mittelschulen am Mittwoch wieder öffnen.

© APA
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