22. Oktober 2019 21:31

Sport

Thiem glückt Wien-Revanche an Tsonga - Nun gegen Verdasco

Dominic Thiem ist die Wien-Revanche an Jo-Wilfried Tsonga geglückt. Sechs Jahre nach der Niederlage gegen den Franzosen im Viertelfinale des Erste Bank Open gewann der Niederösterreicher am Dienstag in der heurigen Auftaktrunde des ATP-Tennisturniers gegen den nun 34-Jährigen 6:4,7:6(2). Um das Viertelfinale geht es für den 26-jährigen Thiem nun am Donnerstag gegen den Spanier Fernando Verdasco.

Die Partie gegen den Wien-Sieger von 2011 und späteren noch zweifachen Finalisten des Events in der Wiener Stadthalle entwickelte sich für Thiem erwartet schwierig. Der Lokalmatador setzte zwar als Rückschläger gleich bei den ersten beiden Punkten des Matches mit einem Rückhand-Longline und einem Vorhand-Cross sehenswerte Akzente, Tsonga konterte aber mit fünf Punkten en suite zum 1:0.

Auch danach blieben die Aufschläger vorerst am Drücker, wenn auch Thiem mit seinem Service zu Beginn nicht restlos überzeugte. Das 2:2 und 3:3 gelang ihm erst über Einstand, Breakball sah er sich allerdings im gesamten Match keinem gegenüber. Dafür nutzte der Lichtenwörther selbst seinen einzigen im ersten Durchgang, und das zum 4:3 nach einem 0:40. Damit hatte er den Satz praktisch in der Tasche, stellte wenig später mit einem Longline-Passierschlag auf 6:4.

Nach diesem in 48 Minuten fixierten Teilerfolg steigerte sich Thiem in einer mit 9.500 Zuschauern ausverkauften Halle auch spielerisch, wobei aber auch Tsonga ordentlichen Sport präsentierte. Die Partie des Weltranglisten-Fünften gegen den -36. hätte vom Niveau her auch für ein Halbfinale oder das Finale des ATP-500-Turniers getaugt. In das Endspiel will Thiem diesmal auch hin, bei neun Antreten kam er bisher nie über das Viertelfinale hinaus.

Die frühe Vorentscheidung im Match schien bei 1:1 in Satz zwei fast schon gegeben, als sich Thiem ein 40:0 erarbeitete. Doch Tsonga wehrte alle Breakbälle ab, später noch zwei weitere und ermöglichte sich so eine Satzentscheidung im Tiebreak. Da hatte Thiem aber den längeren Atem, erarbeitete sich unter dem Jubel der Fans Mini-Breaks zum 3:1 und 4:1. Dieses Minus machte Tsonga nicht mehr wett, Thiem machte nach einer Spielzeit von 1:59 Std. den Sack zu.

"Jetzt kann ich es sagen", sagte Thiem im ersten Sieger-Interview noch auf dem Court. "Ich war wirklich nicht glücklich, als ich die Auslosung gesehen habe. Er (Tsonga, Anm.) spielt wieder in großartiger Form. Es ist wirklich erfreulich für mich, dass ich es in zwei Sätzen geschafft habe. Voller war es noch nie bei einem Erstrunden-Match von mir, außer gegen Tom (Thomas Muster) im Jahr 2011. Das war Gänsehaut. Ich habe es wirklich extrem genossen."

"Das war mein bisher bestes Erstrundenmatch in Wien, es war auch wirklich nötig", resümierte Dominic Thiem in der Pressekonferenz nach dem Match. "Tsonga ist immer gefährlich indoor, er fühlt sich auch wirklich wohl da, er hat immer gute Leistungen gezeigt. Vom dem her war es klar, dass ich von Anfang an voll da sein muss, das ist mir auch sehr gut gelungen."

Für eine Erstrundenpartie gegen einen starken Gegner sei es eine gute Leistung gewesen, meinte der 26-Jährige. "Der Anfang war ein bisschen schleppend. Aber dann fällt da sicher ein bisschen Erleichterung ab, wenn man den ersten Satz in der Tasche hat." Sein Percentage beim ersten Aufschlag sei gut gewesen. Wichtig sei es gegen so einen Spieler, die ersten Punkte zu holen. "Da ist es für mich dann auch leichter, wenn man nicht die ganze Zeit Druck hat."

Der u.a. vom Spanier Sergi Bruguera trainierte Tsonga hat bei seinem siebenten Wien-Antreten nun zum zweiten Mal insgesamt und in Folge in der ersten Runde verloren. Im Vorjahr war gleich gegen den US-Amerikaner Sam Querrey Endstation gewesen. Mit der Niederlage verpasste der Wahl-Schweizer zumindest vorerst seinen heuer 30. Sieg auf der Tour, diese Marke hatte er in zehn vergangenen Saisonen erreicht.

Thiem wiederum will sich vor dem Duell mit dem Linkshänder Verdasco auf jeden Fall am Match-Tag noch mit einem Linkshänder einschlagen, eventuell auch bereits an dem für ihn spielfreien Mittwoch.

Gegen Verdasco sind die Vorzeichen für Thiem ähnlich wie sie gegen Tsonga. Hatte er gegen den ehemaligen Australian-Open-Finalisten aber davor eine 0:2-Bilanz stehen, ist die gegen den 35-jährigen Iberer mit 0:4 doppelt so schlecht. Dabei hat Verdasco Thiem auf allen Belägen schon besiegt, zuletzt sogar zweimal auf Sand. Passiert ist das im Viertelfinale von Rio de Janeiro 2018 sowie heuer in der Runde der letzten 16 des Masters-1000-Events von Rom.

In der ersten Runde absolvierte Verdasco seine Aufgabe gegen den Georgier Nikolos Basilaschwili am Dienstag mit einem 4:6,6:2,6:1. Das bisher beste Wien-Abschneiden des Weltranglisten-40. bei zwei Antreten war im Vorjahr das Halbfinale, in dem er dem späteren südafrikanischen Turniersieger Kevin Anderson unterlag.

Einen bemerkenswerten Schlusspunkt hinter den zweiten Hauptbewerbstag des Erste Bank Open setzte Jannik Sinner gesetzt. Der 18-jährige Südtiroler besiegte in der letzten Dienstag-Partie den doppelt so alten Deutschen Philipp Kohlschreiber 6:3,6:4, setzte damit seinen rasanten Aufstieg fort. Mit diesem Erfolg hat der Antwerpen-Halbfinalist der vergangenen Woche seinen erstmaligen Top-100-Status fix.

Und das, obwohl der in Innichen nur sieben Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt lebende Youngster erst im Februar des Vorjahres Profi geworden und auf die Tour eingestiegen ist, zu Jahresende 2018 noch außerhalb der Top 500 gestanden ist. Gleich beim "On Court"-Interview nach seinem Sieg vor seinen Eltern und Freunden bedankte sich Sinner dafür, dass er von Turnierdirektor Herwig Straka für das ATP-500-Turnier eine Wildcard erhalten hatte.

"Es ist wichtig, unter die Top 100 zu sein", sagte das Toptalent auf Nachfrage der APA - Austria Presse Agentur. "Es ist deswegen ein guter Sieg, aber ich habe nicht auf die Punkte geschaut." Ranking-Ziel setzt sich der ehemalige Skifahrer keine, vorerst steht noch das Saisonfinale mit den "Next Gen"-Finals ab 5. November in Mailand auf dem Programm.

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