30. Januar 2020 11:48

Sport

Thiem hofft in Melbourne auf drittes Grand-Slam-Finale

Zum fünften Mal geht es für Dominic Thiem am Freitag in ein Grand-Slam-Halbfinale, erstmals abseits der French Open. In Anbetracht seiner Leistung beim Vier-Satz-Sieg über Rafael Nadal und auch einer 6:2-Bilanz ist Thiem gegen den Deutschen Alexander Zverev zu favorisieren. Letzterer spielt bei den Australian Open sein erstes Major-Halbfinale, hat auf dem Weg dorthin aber nur einen Satz abgegeben.

Thiem bereitete sich am Donnerstag bei brütender Hitze in Melbourne mit einer intensiven einstündigen Einheit vor. "Sicher war ich müde nach dem Match gestern, aber es ist wichtig, dass ich mich gescheit eine Stunde körperlich betätigt habe, weil die Spannung muss ja aufrecht bleiben", konstatierte Thiem nach dem Training. Er trainierte absichtlich spät, da er neuerlich in der Night Session (9.30 Uhr MEZ/live ServusTV) angesetzt ist.

Die Freude über seinen ersten Halbfinaleinzug ist mittlerweile in den Hintergrund getreten, schließlich liegt der Fokus nun auf dem nächsten Schritt. "Es ist eine Supergeschichte natürlich, aber im Endeffekt bin ich noch immer mitten im Turnier drinnen. Es ist jetzt die entscheidende Phase des Turniers", erklärte der Weltranglisten-Fünfte, der am Montag zumindest wieder Vierter sein wird. "Gestern war ein unglaublich schöner Erfolg und ich habe wieder einen Meilenstein erreicht. Aber es war hoffentlich ein Etappenziel in dem ganzen Turnier und es geht voll weiter. Will ich eine Chance haben, muss ich morgen von Beginn an voll da sein", weiß der 26-Jährige.

Thiem-Coach Nicolas Massu ist glücklich über den Verlauf. Die lange Vorbereitung in Australien hat sich rentiert. "Wir sind jetzt ein paar Wochen in Australien und schon am 20. Dezember an der Gold Coast angekommen", erinnert der Chilene. "Wir sind glücklich, dass die Resultate so gut sind. Gestern war ein wirklich gutes Match, ein toller Fight." Nun gelte es, so gut wie möglich zu regenerieren, einige Details im Hinblick auf Zverev zu trainieren. Sein Eindruck von Thiem nach über eineinhalb Turnierwochen: "Er schaut toll aus, ist sehr fit und voller Selbstvertrauen."

Mit Zverev verbindet Thiem durchaus eine Art Freundschaft. Thiem postete nach der dritten Runde ein Selfie mit dem Deutschen nach einem Eisbad zur Regeneration. "Wir haben ein gutes Verhältnis, er ist ein netter Kerl. Wir sind eigentlich gleichzeitig raufgekommen", sprach er den Karriereverlauf an.

Im Gegensatz zu Zverev, der schon nach der ersten Runde für jeden Sieg 10.000 Australische Dollar und im Falle seines Titels sogar den Siegerscheck komplett (!) spenden will, hat sich Thiem dahin gehend "noch nichts überlegt". "Ich habe bis jetzt nur die Rallye for Relief gespielt", sagte Thiem. Zverev hatte mit seiner Ankündigung unter dem Eindruck der Buschbrände in Australien für Aufsehen auch unter den Spielern gesorgt.

Für Thiem wird es gegen Zverev "wieder auf kleine Details" ankommen. "Alle vier Spieler, die noch im Raster vertreten sind, haben es absolut verdient, und spielen großartiges Tennis", sagte der Lichtenwörther gegenüber ServusTV. Das Match Zverevs gegen Stan Wawrinka habe er nicht gesehen. "Aber er scheint wieder in absoluter Topform zu sein. Er serviert unglaublich gut, das heißt, ich werde versuchen, seinen Aufschlag so gut wie möglich zu entschärfen."

Ein weiteres Rezept wird es sein, Zverev in längere Rallyes zu verwickeln. Immerhin hatte Thiem selbst gegen Nadal bei längeren Ballwechseln (über fünf Schläge) mit 65:48 Punkten die Nase vorne. Österreichs Tennis-Star freut sich jedenfalls auf das neunte Duell mit Zverev: "Wir haben schon einige große Matches gespielt und hoffentlich kommt ein weiteres dazu."

Und was meint sein Kontrahent? "Dieses Jahr bin ich mit absolut keinen Erwartungen zu den Australian Open gekommen, weil ich so schrecklich gespielt habe", sagte der 22-jährige Hamburger Zverev, der erste deutsche Halbfinalist in Melbourne seit Tommy Haas 2007. "Vielleicht ist das das Sprungbrett. Vielleicht sollte es so passieren." Der bisher letzte deutsche Finalist war Rainer Schüttler 2003, den bisher letzten deutschen Triumph bei den Australian Open gab es 1996 durch Boris Becker.

Eine nette Anekdote gibt es von Zverev von noch vor dem Turnier. Als er wegen schwacher Vorstellungen im Vorfeld nur wenig Interesse beim traditionellen Medientag erweckt hatte, war er nur in einem kleinen Presseraum Rede und Antwort gestanden. Zu seinen Erwartungen gefragt, sagte er einfach nur so dahin: "Mal schauen. Vielleicht sitzen wir auch in zwei Wochen hier und haben ein Interview nach meinem Halbfinale, und ich stehe im Finale. Das kann ja auch sein." Da wird allerdings Dominic Thiem noch ein gewichtiges Wort mitreden.

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