16. März 2020 10:36

Chronik

Tschechien riegelte 21 Städte und Dörfer ab

Die Polizei hat 21 Städte und Dörfer mit 25 bestätigten Corona-Infektionen im Osten Tschechiens abgeriegelt. Betroffen sind unter anderem Litovel (Littau) mit knapp 10.000 und Unicov (Mährisch Neustadt) mit rund 11.400 Einwohnern. Die Einwohner dürfen die Orte nicht mehr verlassen, von außen darf niemand hinein. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten werde aber sichergestellt.

In der Nacht auf Montag hatte die Regierung des Ministerpräsidenten Andrej Babis die Bewegungsfreiheit in Tschechien drastisch eingeschränkt. Die Bürgerinnen und Bürger wurden aufgefordert, sich an ihrem Wohnort aufzuhalten und zwischenmenschliche Kontakte zu meiden. Ausnahmen gelten unter anderem für den Weg zur Arbeitsstätte und zurück, den Einkauf von Lebensmitteln sowie Arztbesuche und Parkspaziergänge. Wie das kontrolliert werden soll, blieb zunächst unklar.

Ausländer ohne Wohnsitz in Tschechien dürfen nicht mehr in den EU-Staat einreisen. Umgekehrt dürfen Tschechen nicht mehr ausreisen. Ausgenommen sind grenznahe Pendler. Vor dem Grenzübergang Pomezi nad Ohri-Schirnding bildeten sich am Morgen kilometerlange Staus von Tschechen, die nach Deutschland in die Arbeit fahren wollten.

Schulen, Restaurants, Lokale und Geschäfte außer Supermärkten und Apotheken sind geschlossen. Die Behörden meldeten bisher 298 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 in ganz Tschechien. Todesfälle wurden bisher nicht bekannt.

Angesichts der zunehmenden Zahl von Infektionsfällen und der Gefahr eines Zusammenbruchs des regionalen Gesundheitssystems droht der Präsident der norditalienischen Region Venetien, Luca Zaia, mit einer kompletten Ausgangssperre für die Bürger. "Die Infektion steigt. Wenn man nicht die Regeln befolgt, droht uns eine Ausgangssperre und der Kollaps des Gesundheitswesens."

"Die Isolierung ist der einzige Weg, um die Epidemie zu bekämpfen, doch zu viele Menschen sind noch auf den Straßen. Es gibt keine Alternative zur kompletten Ausgangssperre, wenn die Bürger nicht zusammenarbeiten", warnte Zaia nach Medienangaben. Die Region plant die Schließung von Parks und Grünanlagen.

2.473 Personen sind in Venetien von der Seuche betroffen, das sind 227 mehr als am Sonntag, berichteten die venezianischen Gesundheitsbehörden am Montag. Die Todesfälle stiegen auf 69, drei mehr als am Sonntag. 156 Kranke liegen auf der Intensivstation.

Venetien denkt an Abstriche für alle Bürger zur Eingrenzung der Coronavirus-Pandemie. "Wir werden Abstriche auf der Straße durchführen, vor den Supermärkten, wir werden das Personal der Supermärkte testen. Je mehr Infizierte wir finden und isolieren, desto weniger verbreitet sich das Virus", so der Präsident Venetiens, Luca Zaia.

Inzwischen wurden eine Gemeinde in der Provinz Bologna und vier Kommunen in der süditalienischen Provinz Salerno zur Sperrzone erklärt, nachdem eine zunehmende Zahl von Infektionen gemeldet wurde. Die Bürger dürfen die Gemeinde nicht verlassen. Die Polizei sorgt dafür, dass diese Vorschrift eingehalten wird.

© APA
2019 © PULS 4 TV GmbH & Co KG | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ