1. März 2020 22:07

Politik

Türkei tötet laut Aktivisten 19 weitere syrische Soldaten

Die Türkei hat ihre Offensive in der syrischen Provinz Idlib nach Angaben von Aktivisten fortgesetzt. Bei den Angriffen mit Drohnen seien mindestens 19 Soldaten der syrischen Regierung und verbündeten Milizen getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Damit sei die Zahl der getöteten syrischen Soldaten in 72 Stunden auf 93 gestiegen.

Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Ankara hatte die Angriffe als Vergeltung für den Tod von 36 türkischen Soldaten in Syrien vor wenigen Tagen begonnen. Im Rahmen des neuen Einsatzes "Operation Frühlingsschild" schoss die Türkei nach eigenen Angaben dabei unter anderem zwei syrische Kampfflugzeuge ab, die türkische Jets angegriffen hätten. Die syrische Regierung sperrte im Zuge der Angriffe den Luftraum im Nordwesten des Landes.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat am Sonntag ein EU-Außenministertreffen in dieser Woche angekündigt, um die anhaltenden Kämpfe in der syrischen Provinz Idlib zu beraten. Die andauernden Kämpfe in und um Idlib seien eine ernsthafte Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit. Sie lösten auch ein unendliches Leid in der Bevölkerung aus. Borrell rief die beteiligten Parteien dazu auf, wieder zu einem politischen Prozess zurückzukehren.

Über die genaue Zahl der Todesopfer durch die Angriffe herrschte am Sonntag Unklarheit. Der türkische Verteidigungsminister Akar sagte, es seien mehr als 2.000 syrische Soldaten "außer Gefecht gesetzt worden". Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte dagegen mit, dass insgesamt etwa 70 Soldaten der syrischen Regierung und deren verbündeter Milizen getötet worden seien.

Eine militärische Konfrontation der Türkei und Russland rückte indessen in greifbare Nähe. Kommende Woche ist ein Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin geplant. Die Außenminister beider Länder telefonierten in Vorbereitung auf dieses Treffen miteinander. Ziel sei, die Atmosphäre für einen "ergebnisorientierten Dialog" beider Staatschefs zur Lösung des Konflikts zu schaffen, teilte das russische Außenministerium mit. Der türkische Verteidigungsminister Akar betonte, die Türkei habe kein Interesse an einem Konflikt mit Russland. Sie wolle vielmehr das "Massaker" der syrischen Regierung beenden und eine neue Migrationswelle verhindern.

Erdogan hatte der syrischen Regierung mit einem Militäreinsatz bis Ende Februar gedroht, sollte sich deren Truppen in der Provinz Idlib nicht zurückziehen. Am Samstag verkündete er dann die neuen Angriffe in Istanbul. Dabei seien Anlagen zum Bau von Chemiewaffen sowie Luftabwehrsysteme und Landebahnen zerstört worden, sagte Erdogan. Mehr als 300 Militärfahrzeuge seien zerstört worden, darunter mehr als 90 Panzer. Die syrische Regierung stritt die Behauptungen umgehend ab und warf Erdogan "irreführende" Aussagen und Übertreibung vor.

Die Türkei hatte zuvor schon drei Mal militärisch in Nordsyrien eingegriffen. Im Oktober hatte sie östlich des Flusses Euphrat eine international umstrittene Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die die Türkei als Terrororganisation ansieht. Russland als Schutzmacht Assads und die Türkei hatten sich anschließend darauf verständigt, nordsyrische Grenzgebiete zur Türkei gemeinsam zu kontrollieren. Die YPG sollte sich zudem aus dem Grenzgebiet zurückziehen.

Im Jahr 2016 hatte die Türkei mit der Offensive "Schutzschild Euphrat" in der Umgebung des syrischen Orts Jarabulus die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von der Grenze vertrieben, aber auch die Kurdenmiliz YPG bekämpft. Anfang 2018 hatte die türkische Armee mit von ihr unterstützten Rebellen in einer Offensive gegen die YPG die kurdisch geprägte syrische Grenzregion Afrin eingenommen.

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