15. Oktober 2019 12:36

Sport

Türkische Teamspieler salutierten auch in Saint-Denis

Fußball-Nationalspieler der Türkei haben beim 1:1 gegen Weltmeister Frankreich in der EM-Qualifikation am Montag erneut ihre Unterstützung für die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan gezeigt. Nach dem Ausgleichstreffer von Kaan Ayhan (82.) salutierten einige Akteure der Gäste demonstrativ. Die UEFA hatte nach der schon im Spiel gegen Albanien gezeigten Geste eine Untersuchung eingeleitet.

Der türkische Teamchef Senol Günes wollte der Szene nicht zu viel Bedeutung zumessen. "Wir handeln in gutem Glauben, es geht darum, unsere Soldaten zu unterstützen", sagte Günes. Es gehe nicht darum, Zivilisten zu töten, sondern Gewalt gegen türkische Bürger zu verhindern, betonte der 67-Jährige. Die Türkei führt derzeit eine Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien durch. Dieser Einsatz wird international scharf kritisiert.

Innerhalb der türkischen Mannschaft gehen die Meinungen über den kontroversen Jubel offenbar auseinander. So beteiligte sich Torschütze Ayhan im Gegensatz zum Großteil seiner Teamkollegen nicht. Nach dem 1:0-Sieg gegen Albanien hatte der Düsseldorf-Profi den Militärgruß noch gezeigt. Fortunas Sportvorstand Lutz Pfannenstiel hatte danach das Gespräch mit Ayhan gesucht.

Auch in Italien sorgte der militärische Gruß einiger türkischer Nationalspieler für Aufregung. Bei Rekordmeister Juventus Turin geriet der Verteidiger Merih Demiral in die Schlagzeilen. Angeblich wollte er nach dem 1:1-Ausgleich beim EM-Qualifikationsspiel in Frankreich den Düsseldorfer Bundesliga-Profi Kaan Ayhan zum Salutieren animieren. Auf Twitter hatte Demiral zuvor zudem geschrieben: "Die Mission der Türkei ist, einen Terrorkorridor an unserer südlichen Grenze zu verhindern und 2 Millionen Syrer in eine Sicherheitszone zu umzusiedeln." Juve äußerte sich dazu nicht.

Auch beim AS Rom gab es einen Fall: Der Spieler Cengiz Ünder twitterte am 11. Oktober vor dem Spiel Türkei-Albanien ein Foto von sich, auf dem er im Roma-Trikot die Hand zum Gruß an die Stirn hält. Darüber stehen lediglich drei türkische Flaggen. Der Serie-A-Club äußerte sich dazu bisher nicht. Vermutet wird unter anderem, weil Ende November ein Auswärtsspiel der Mannschaft in Istanbul ansteht und weil die Türkei ein wichtiger Markt ist.

Das Hochsicherheitsspiel in Saint-Denis war unter besonderen Vorzeichen gestartet. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte vor dem Hintergrund der türkischen Militäroffensive seine Teilnahme abgesagt. Unter den 78.000 Zuschauern befanden sich nicht nur im mit 3.800 Fans prall gefüllten Auswärtssektor viele türkische Anhänger. Die Partie verlief aber weitgehend ruhig. Als im Finish ein Banner mit einem pro-kurdischen Statement ("Hört auf Kurden zu massakrieren") enthüllt wurde, reagierten die Ordner schnell und entfernten es. Das Regelwerk der UEFA verbietet politische Äußerungen in Stadien.

Durch das Remis verpassten die Franzosen, die durch Olivier Giroud (76.) in Führung gegangen waren, die vorzeitige Qualifikation für die pan-europäische EM-Endrunde 2020. Der Weltmeister und die Türkei liegen in der Gruppe H an Punkten weiter gleichauf, die Türken sind nach dem 2:0 im Hinspiel aufgrund der direkten Duelle voran. Vier Zähler hinter dem Duo rangiert Island.

"Wir haben alles versucht, um dieses Spiel zu gewinnen. So müssen wir den Job im November beenden", sagte Didier Deschamps, der mangelnde Effizienz beklagte. Frankreichs Trainer musste auch in Saint-Denis auf den verletzten Topstürmer Kylian Mbappe verzichten. Auf die "Bleus" wartet nun ein Heimspiel gegen die Republik Moldau, die Türkei empfängt ebenfalls zu Hause Island.

© APA