12. März 2020 10:41

Chronik

Urlaubssperre für alle 25.000 Polizisten

Für alle 25.000 Polizisten der Republik Österreich ist eine Urlaubssperre verhängt worden. Erst Ende April werde sich daran wieder etwas ändern, ist in dem Befehl des Innenministeriums zu lesen. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) kündigte zugleich weiter Maßnahmen an, sollte sich die Abflachung der Infektionskurve nicht einstellen. Derzeit gibt es in Österreich knapp über 300 Corona-Kranke.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bestätigte das starke Ansteigen der positiven Coronavirus-Fälle. "Derzeit sind wir in einem sehr, sehr starken Prozess des Ansteigens", sagte Anschober. "Gestern in der Früh waren es 202 Erkrankungsfälle, jetzt gerade sind wir bei 302. Würde diese Kurve so weitergehen, hätten wir bereits in einer Woche sehr, sehr hohe Zahlen. Daher geht es darum, eine Verzögerung zu erreichen."

Daher gehe es darum, eine Verzögerung zu erreichen. "Jetzt müssen wir einmal schauen, dass wir die aktuellen Maßnahmen umsetzen", erklärte Anschober bei einem gemeinsamen Termin mit Nehammer und Verteidigungsminister Klaudia Tanner (ÖVP) bei der "AGES Infoline". Dabei gehe es auch um die in den vergangenen Tagen von der Bundesregierung beschlossenen Schließung der Universitäten und der Einschränkung des schulischen Betriebs. Der Minister: "Im schulischen Bereich startet jetzt die Informationsarbeit."

Das Wirken der Maßnahmen werde Zeit brauchen. "Wenn das Paket so richtig in der Umsetzung angekommen ist, wird es einige Tage dauern, bis es zu wirken beginnt. Unsere Erwartung und Hoffnung ist dabei, dass wir schrittweise, das wird Wochen dauern, ein leichtes schrittweises Abflachen der Anstiegskurve erreichen", sagte Anschober. Information und Kommunikation hinsichtlich der Punkte wie dem Einschränken der Sozialkontakte sei da wichtig.

Während es laut Anschober in vielen Ländern Europas ein ähnliches Ansteigen der Zahl der Coronavirus-Krankheitsfälle wie in Österreich gebe, werde sich am viel stärker belasteten Italien vieles entscheiden. "Italien hat das in der Lombardei, was wir mit aller Kraft verhindern wollen, nämlich eine wirkliche Einschränkung des Gesundheitssystems, des Spitalversorgungssystems - das ist in Teilen der Lombardei nicht mehr handlungsfähig."

In Österreich würde erst nach einer ständig evaluierenden Begleitung der Entwicklung entschieden, welche Maßnahmen getroffen würden. "Es ist davon abhängig davon, was passt von diesem Bündel, das wir vorbereitet haben", erläuterte Anschober. "Es geht darum, punktgenau die richtigen Maßnahmen zu verwirklichen. Dann schauen wir, die Trendkurve in den nächsten Wochen möglichst abzudämmen."

Nehammer wies darauf hin, dass im täglichen politischen Entscheidungsprozess in der Coronavirus-Problematik stark dem Rat von Expertinnen und Experten gefolgt wird. "Von ihnen wird genau beurteilt, was man noch tun kann", führte Nehmammer aus. "Der entscheidende Punkt ist, wann setze ich die Maßnahme. Die soll dann Wirkung erzielen. Das ist ein permanenter Prozess."

Der 47-Jährige pochte auch erneut darauf, dass jeder selbst zum Entschärfen der Virus-Situation beitragen können. "Ich kann mein eigenes Leben so ordnen, dass ich weniger als Überträger des Virus diene. Indem ich soziale Kontakte einschränke, weniger unter Freunde, zu Familientreffen gehe, große Ansammlung meide."

Sehr wichtig sei, keine Hand zu geben. Nehammer: "Sie werden keinen Virologen finden, der nicht sagt, die größte Gefahr geht von unseren Händen aus. Darum sind wir alle Verantwortungsträger und -trägerinnen." Es gelte, primär die Schwachen und Älteren zu schützen. "Wir haben es in der Hand, diese Menschen zu schützen. Die Reduzierung der Sozialkontakte kann helfen, den Virus einzudämmen."

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