13. März 2020 15:33

Politik

US-Luftangriffe verschärfen Spannungen im Irak

Die US-Luftangriffe auf eine pro-iranische Miliz im Irak verschärfen die ohnehin schon großen Spannungen zwischen Washington und einflussreichen Parteien des Krisenlandes. Das Büro des irakischen Präsidenten Barham Salih erklärte am Freitag, bei der Bombardierung handle es sich um einen Verstoß gegen die Souveränität des Landes, wie die staatliche irakische Nachrichtenagentur INA meldete.

Der irakische Staat werde gefährlich geschwächt und drohe, ins Chaos abzugleiten, warnte Salih. Das Außenministerium in Bagdad bestellte die Botschafter der USA und Großbritanniens ein.

Der politische Arm der Iran-treuen schiitischen Milizen, das Bündnis Al-Fatah, bekräftigte seine Forderung, ausländische Kräfte müssten aus dem Irak abziehen. "Wir verurteilen diese unverhohlene Aggression aus Schärfste", hieß es INA zufolge in einer Erklärung.

Bei der Bombardierung in mehreren irakischen Provinzen waren am Donnerstag nach Angaben der irakischen Militärführung mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Dabei handelte es sich um drei Soldaten, zwei Polizisten und einen Mitarbeiter des noch im Bau befindlichen Flughafens in der südirakischen Stadt Karbala. Zwölf Menschen wurden demnach verletzt, darunter ein Zivilist.

Die Bombardierung galt Stellungen der pro-iranischen Miliz Kataib Hisbollah. Diese steht im Verdacht, für einen Raketenangriff auf den Stützpunkt Taji verantwortlich zu sein. Dabei waren am Mittwoch zwei US-Soldadten und eine britische Soldatin getötet worden.

Der Kommandant der US-Streitkräfte im Nahen Osten (Centcom), General Kenneth McKenzie, sagte in Washington, bei den angegriffenen Zielen habe es sich um "Stützpunkte von Terroristen" gehandelt. "Diese Angriffe waren darauf ausgerichtet, künftige Angriffe zu verhindern." Nach einem tödlichen Angriff auf US-Soldaten Sicherheitskräfte in der Nähe von Stellungen der Miliz Kataib Hisbollah zu stationieren, bezeichnete McKenzie als "wahrscheinlich keine gute Idee".

Weiter erklärte er, die USA wollten stets mit der irakischen Regierung zusammenarbeiten, um solche Angriffe kleinzuhalten. "Aber wenn wir getroffen werden, schlagen wir zurück", sagte McKenzie und warnte den Iran: "Das US-Zentralkommando ist gut aufgestellt, um unsere Streitkräfte in der Region zu verteidigen und auf weitere Aggressionen gegen unsere Streitkräfte zu reagieren."

Die vom Iran unterstützten Schiitenmilizen besitzen im Irak großen Einfluss. Sie unterstehen offiziell Regierungschef Adel Abdel Mahdi, agieren aber weitgehend unabhängig. Die Iran-treue Kataib Hisbollah zählt zu den stärksten Milizen im Irak und fordert den Abzug der amerikanischen Truppen. Im Jänner war ihr Anführer Abu Mahdi al-Muhandis beim US-Angriff auf den iranischen Topgeneral Qassem Soleimani getötet worden. Danach drohte die Miliz mit Vergeltung.

Im Irak sind noch mehrere Tausend US-Soldaten stationiert. Diese unterstützten zusammen mit ihren Verbündeten, darunter Deutschland, die irakische Armee im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das irakische Parlament hatte nach dem tödlichen Angriff auf Soleimani und Abu Mahdi al-Muhandis den Abzug der US-Truppen gefordert.

© APA
2019 © PULS 4 TV GmbH & Co KG | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ