14. November 2018 12:01

Kultur

Verbund zeigt Louise Lawlers Fotos von Kunst im Kontext

"She's here": Die US-amerikanische Künstlerin Louise Lawler, deren Arbeiten die Sammlung Verbund seit dem Jahr 2004 sammelt. In der Vertikalen Galerie Am Hof sind ab morgen, Donnerstag, 27 Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten zu sehen, darunter neben Fotografien auch sogenannte "Tracings", in denen die 71-jährige Künstlerin frühere Werke einer zeichnerischen Frischzellenkur unterzieht.

"Lawlers Fotografien machen deutlich, dass unsere Wahrnehmung eines Kunstwerks immer von dessen räumlicher und institutioneller Umgebung beeinflusst ist", erläuterte Sammlungsleiterin Gabriele Schor am Mittwochvormittag im Rahmen eines Pressegesprächs. Wandert man durch die acht Stockwerke umfassende Schau im Verbund-Stiegenhaus, folgt man unweigerlich dem Blick der Künstlerin: In Museen, Privatwohnungen, Auktionshäusern oder Depots fotografiert sie fremde Kunstwerke und stellt dabei gleichzeitig deren Kontext in den Mittelpunkt.

Die erste Arbeit, die die Sammlung Verbund 2004 ankaufte, nennt sich "Abbau": Statt des Kunstwerks, das vorher an der Wand hing, sind nur mehr die beiden Haken zu sehen. "Doch Lichtinszenierung und Aura sind noch vorhanden", so Schor. Auch ein verkehrt an der Wand lehnendes Gemälde von Gerhard Richter hat Lawler abgelichtet, das Werk trägt den Titel "Wall Pillow", angelehnt an den weißen Handschuh zwischen dem Gemälde und der Wand. Wie sehr Kunst vom Kontext abhängt, wird auch in der Arbeit "Bulbs" deutlich, in der Glühbirnen scheinbar belanglos mit Verpackungsmaterial auf einem Tisch liegen. Implizit ist dem Foto das Wissen, dass es sich dabei um ein Werk von Felix Gonzalez-Torres handelt, das seine Kraft erst entfaltet, wenn es hell erleuchtet von der Decke hängt (wie kürzlich etwa im Theseustempel im Wiener Volksgarten).

Neben diesen Fotos, die Lawler in den USA zum Star gemacht haben, finden sich jedoch auch neue Werke aus der Werkgruppe namens "Traced": Die von einem Freund gezeichneten Wandarbeiten sind zeichnerische Umsetzungen früherer Fotos, die von den Besitzern an die Größe der jeweiligen Wand angepasst ausgedruckt werden können. "Adjusted to fit" sind auch die Arbeiten aus Lawlers "Distorded"-Reihe, in der sie ebenfalls frühere Werke verwendet, die sie am PC verfremdet. Mit ihren Werken will sie der Frage nachgehen, wie im Kunstbetrieb Bedeutung geschaffen wird, so die Künstlerin beim Pressegespräch. Dabei gehe es ihr auch darum, sich selbst als Künstler in den Hintergrund zu rücken. "Ich wollte nicht einer dieser isolierten Stars werden", erklärt sie ihr Bestreben, auch keine Fotos von sich in Umlauf zu bringen. Schließlich gehe es um das Werk.

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