5. Januar 2020 09:38

Sport

Vlhova und Shiffrin im Slalom "an einem anderen Ort"

Die slowakische Ski-Heldin Petra Vlhova hat Mikaela Shiffrin in Zagreb in die Schranken gewiesen. Sie gewann überlegen vor der US-Amerikanerin, die wiederum satte 2,18 Sekunden Vorsprung auf die Dritte Katharina Liensberger hatte. Die Lücke zwischen den zwei Slalom-Queens und dem Rest scheint sich weiter zu vergrößern. "Wir sind an einem anderen Ort als die anderen Mädels", sagte Shiffrin selbst.

Und Vlhova stimmte ihrer Rivalin zu. "Wenn man sich heute das Resultat anschaut, waren wir auf einem Level, und die anderen Mädchen sind ein kleines Stück hinter uns", meinte die 24-Jährige, die erstmals zur "Snow Queen" gekrönt wurde. "Ich bin wirklich stolz auf, das was ich heute erreicht habe." Ein besonderes Aufputschmittel war übrigens der für sie geschriebene Song "Peťa, si top!" (Petra, du bist top!) von einer Gruppe aus ihrer Heimat. Mitglieder des Vlhova-Fanclubs gaben eine Kopie davon dem Platzsprecher, der ihn dann während ihres zweiten Laufs abspielte.

Zu Saisonbeginn hatte es noch so ausgesehen, als befände sich Shiffrin im Slalom in ihrer eigenen Welt. In Levi gewann sie mit 1,78 Sekunden Vorsprung. In Killington im US-Ostküstenstaat Vermont, wo ihr die Verhältnisse besonders entgegenkommen, waren es gewaltig anmutende 2,29 auf Vlhova. Die kam aber im letzten Rennen des alten Jahres in Lienz immerhin auf 0,61 heran und schaffte es nun, den Spieß umzudrehen. Um 1,31 Sekunden distanzierte sie Shiffrin am Samstag, was bei der zu einer offenherzigen Respektbekundung führte.

"Jede will gewinnen, aber sie ist mit ihrem Team eines der wenigen, die in der Lage sind, das zu überbieten, was ich mit meinem Team erreicht habe", führte Shiffrin aus. "Sie war heute auf dem höchsten Level, und ich war ein bisschen darunter."

Was wirklich stutzig machen kann, ist der Vorsprung der beiden auf das übrige Feld. In Lienz hatte die Dritte Michelle Gisin aus der Schweiz "nur" 1,11 Sekunden Abstand zwischen sich und der zweitplatzierten Vlhova. Liensberger fasste beinahe das Doppelte aus. Zwischen Vlhova und der Russin Jekaterina Tkatschenko auf Platz 30 lagen in Zagreb 8,03 Sekunden.

"Es ist nicht immer so. Es gibt viele Rennen, wo die anderen Mädchen näher sind oder sogar vorne, aber heute war, denke ich, ein wirklich gutes Beispiel für die Arbeit, die wir beide reinstecken wollen", erklärte Shiffrin. Die Slalom-Weltmeisterin hat schon mehrfach betont, dass Vlhova bessere Leistungen aus ihr herauskitzle. Mittlerweile passe es auch zwischenmenschlich ganz gut.

"Ich muss mich bemühen, ein kleines bisschen Distanz zu wahren, um mehr Feuer zu haben. Aber ich denke, während der letzten Jahre ist es entspannter geworden. Wir reden mehr und unterstützen uns mehr", sagte Shiffrin. Und vermutete sogar: "Ich glaube, wenn wir keine Konkurrentinnen wären, wären wir wirklich gute Freundinnen."

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