4. Dezember 2019 11:57

Chronik

Weltweiter CO2-Ausstoß steigt - aber langsamer

Der weltweite Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) hat einer Studie zufolge auch 2019 wieder zugenommen. Im Vergleich zu den Vorjahren habe sich der Anstieg aber verlangsamt, ergaben Berechnungen des Forschungsverbunds "Global Carbon Project".

Die Wissenschafter rechnen für dieses Jahr mit einem Anstieg der Emissionen von 0,6 Prozent, wenn auch innerhalb einer Unsicherheitsspanne. Das wäre deutlich weniger als im Vorjahr: 2018 gab es ein Plus von 2,1 Prozent.

Klimaforscher sagen, dass es schnell eine Trendwende beim CO2-Ausstoß geben müsse, wenn die Erderwärmung noch einigermaßen kontrollierbar bleiben soll. Derzeit läuft in Madrid die 25. UN-Klimakonferenz. 2015 hat sich die Weltgemeinschaft im Pariser Klimaabkommen auf eine Begrenzung der Erderwärmung deutlich unter zwei Grad geeinigt - aber seitdem sind die CO2-Emissionen kräftig angestiegen. Geht es weiter wie bisher, dürfte es im Mittel zwischen drei und vier Grad wärmer werden - mit voraussichtlich katastrophalen Folgen.

Der neuen Projektion zufolge verbrannten vor allem die Europäische Union und die USA in diesem Jahr weniger Kohle, in Indien und China verlangsamte sich wenigstens die Zunahme des Kohleverbrauchs. Dazu komme, dass die Wirtschaft weltweit langsamer gewachsen sei, heißt es im Bericht. Dass die Emissionen trotzdem zunahmen, lag den Wissenschaftern zufolge daran, dass mehr Erdgas und mehr Erdöl genutzt wurden.

Die Berechnungen des internationalen Forschungsverbundes sollten am Mittwoch in den Fachzeitschriften "Nature Climate Change", "Environmental Research Letters" und "Earth System Science Data" veröffentlicht werden. Auch die Emissionen aus der Landnutzung trieben den CO2-Ausstoß nach oben, etwa vermehrte Brandrodungen im Amazonasgebiet.

Die Konzentration von Kohlendioxid in der Erdatmosphäre steigt demnach ebenfalls weiter an. Sie werde im Jahresmittel voraussichtlich einen Wert von 410 ppm (parts per million: Anteile pro Million) erreichen. Sie liege damit dann 47 Prozent über dem vorindustriellen Wert.

Deutschland war einem neuen Klima-Bericht zufolge im vergangenen Jahr erstmals unter den drei am stärksten von Wetterextremen betroffenen Ländern der Welt. Durch die Hitzewelle im Jahr 2018 mit extremer Dürre kamen im Jahr 2018 mehr als 1200 Menschen in Deutschland ums Leben, wie aus dem am Mittwoch in Madrid vorgestellten Klima-Risiko-Index der Organisation Germanwatch hervorgeht. Nach Angaben der Organisation waren nur Japan und die Philippinen im vergangenen Jahr noch stärker von extremen Wetterlagen betroffen. Österreich und die Schweiz landeten bei diesem Ranking auf den Plätzen 49 und 77, geht aus der Publikation hervor. Die Verfasser des Berichts betonen, dass die Daten keine "einfache Aussage" darüber erlauben, welcher Anteil der Wetterextreme direkt auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Es sei dadurch aber möglich, "ein Bild der Betroffenheit der Staaten" gegenüber diesen Entwicklungen zu zeichnen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wiollte indes bereits nächste Woche erste konkrete Schritte für ihre EU-Klimaschutzziele setzen. Sie kündigte für kommenden Mittwoch (11. Dezember) eine Mitteilung zum "Green Deal" an. Außerdem werde die EU-Kommission ebenfalls bereits nächste Woche die Kosten für Nicht-Handeln auf den Tisch legen.

Es sei "höchste Zeit zu handeln", sagte von der Leyen. "2020 wird ein erstes Klimaschutzgesetz in Kraft sein." 100 Milliarden Euro sollen zudem aus dem EU-Budget, von den EU-Mitgliedstaaten und von der EU-Investitionsbank EIB mobilisiert werden. Von der Leyen zeigte sich allerdings besorgt von den ernsthaften Einschnitten für den EU-Haushalt, die im Vergleich zum EU-Kommissionsvorschlag in einem Kompromisspapier der finnischen EU-Ratspräsidentschaft vorgesehen sind. Sie wolle dies nächste Woche beim EU-Gipfel diskutieren.

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