30. Januar 2020 10:58

Chronik

WHO berät wegen Coronavirus über weltweiten Notstand

Die Weltgesundheitsbehörde WHO berät angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus erneut darüber, ob sie einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausrufen soll. Der Notfallausschuss kommt diesen Donnerstag hinter verschlossenen Türen zusammen, wie WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf ankündigte. In China ist die Zahl der Todesfälle indes um 38 auf 170 gestiegen.

Das Team aus 16 Experten hatte sich zuletzt zweimal dagegen entschieden, einen internationalen Notfall zu erklären. Damit wären schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs verbunden. Ghebreyesus sagte, die Verbreitung des Virus vor allem von Mensch zu Mensch in einigen Ländern wie Deutschland bereite der UNO-Behörde Sorgen. In Deutschland sind vier Fälle in Bayern bestätigt, in Finnland gab es die erste Bestätigung.

Bisher wurden laut der WHO Infektionen aus 15 Ländern gemeldet. Bis auf rund 70 Fälle sind die meisten der Erkrankungen in China aufgetreten, wo der Erreger seinen Ursprung hat. Die staatliche Gesundheitskommission in Peking gab am Donnerstag neue Zahlen bekannt, die einen sprunghaften Anstieg bei Toten und Krankheitsfällen zeigten. Demnach waren bis einschließlich Mittwoch 170 Menschen gestorben und 7.711 erkrankt. Damit kamen innerhalb eines Tages 38 Tote und rund 1.700 Erkrankte hinzu. Bei weiteren 12.167 Menschen wurde das Coronavirus vermutet.

Weiterhin blieb das Virus stark auf die Provinz Hubei beschränkt, wo 37 Tote und 1.032 Krankheitsfälle neu registriert wurden. Einen Toten gab es in der Provinz Sichuan. Zudem wurde in der Provinz Tibet ein erster Coronavirus-Fall bestätigt.

Zwei Verdachtsfälle wurden an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Costa Smeralda" im Hafen von Civitavecchia nördlich von Rom gemeldet. Ein chinesisches Ehepaar aus Hongkong wurde mit Fieber und Atemproblemen in das römische Krankenhaus "Spallanzani" eingeliefert, wo es Kontrollen unterzogen wurde. Wie italienische Medien berichteten, dürfen die 6.000 Passagiere das Kreuzfahrtschiff der italienischen Reederei Costa Crociere im Hafen Civitavecchia nicht verlassen. Civitavecchia ist Italiens größter Kreuzfahrthafen.

Der WHO bereitet aber inzwischen die Verbreitung außerhalb Chinas in den vergangenen Tagen Sorge. "Obwohl die Zahlen außerhalb Chinas noch relativ klein sind, haben sie das Potenzial für einen deutlich größeren Ausbruch", sagte der WHO-Chef. Neben Deutschland nannte er auch Japan und Vietnam. In den USA breitete sich das Virus indes nicht weiter aus. Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC in Washington mitteilte, gab es keine weiteren Fälle. 68 Personen wurden getestet, fünf Fälle bestätigt.

Die USA flogen rund 200 Landsleute aus Wuhan aus. Ein Charterflugzeug mit 195 US-Staatsbürgern habe am Mittwoch die von dem Coronavirus besonders betroffene chinesische Metropole verlassen, wie die US-Gesundheitsbehörde mitteilte. Keiner von ihnen habe Symptome gezeigt, sie würden nun noch einige Tage beobachtet. In Tokio landete am Donnerstagvormittag eine zweite Maschine mit 210 Menschen an Bord, die aus China evakuiert wurden.

Russland schließt seine 4.250 Kilometer lange Grenze zu China. Eine entsprechende Anordnung sei unterzeichnet und bereits in Kraft getreten, nun würden "alle über die beschlossenen Maßnahmen informiert", zitierten die russischen Nachrichtenagenturen Ministerpräsident Michail Mischustin. Details zur Dauer der Grenzschließung nannte er zunächst nicht. Bereits am Montag hatte die Mongolei ihre knapp 4.700 Kilometer lange Grenze zum chinesischen Nachbarn geschlossen.

Unterdessen streichen immer mehr Airlines Flüge nach China. In Wien starteten am Mittwoch die letzten Peking- und Shanghai-Flüge der AUA, die ebenso wie die Konzernmutter Lufthansa alle China-Flüge bis 9. Februar absagte. Zuletzt setzte British Airways alle Verbindungen von und nach Festland-China aus. Kurz zuvor hatte American Airlines bekanntgegeben, die Verbindungen von Los Angeles nach Peking und Shanghai bis Ende März einzustellen.

Google teilte mit, alle seine Büros in China, Hongkong und Taiwan vorläufig zu schließen. Auch die schwedische Möbelkette IKEA zog die Notbremse: Alle 30 Einrichtungshäuser im Land werden vorübergehend geschlossen, teilte das Unternehmen in Peking mit.

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