10. Januar 2020 16:24

Chronik

Wien wuchs 2019 moderat - Starkes Plus bei Über-80-Jährigen

Zum Jahreswechsel haben in Wien 1,91 Millionen Menschen gelebt. Das weisen vorläufige Daten der Statistikbehörde (MA 23) aus. Damit ist die Hauptstadt im Vergleich zum Vorjahr moderat - nämlich um 0,7 Prozent und damit merkbar unter dem Zehn-Jahres-Mittel von 2009-2018 (plus 1,2 Prozent) - gewachsen. Deutlich nach oben ging allerdings die Zahl der Hochbetagten. Das liegt am "Anschluss-Babyboom".

MA 23-Chef Klemens Himpele sprach von "eigentlich unspektakulären" Zahlen. Vorangegangene Prognosen seien im Großen und Ganzen genau so eingetreten. Der Durchschnitts-Wiener war Ende des Vorjahres etwa 41 Jahre alt - um eineinhalb Monate älter als Ende 2018. Wien ist damit weiterhin mit Abstand das jüngste Bundesland Österreichs. Die Frauen hatten mit 51,2 Prozent auch diesmal einen leichten Überhang.

Konkret zählte Wien mit Ende 2019 um rund 14.500 Einwohner mehr als im Jahr davor. Dieses Plus ergibt sich hauptsächlich daraus, dass unterm Strich mehr Menschen in die Bundeshauptstadt zu- als weggezogen sind. Diese "Wanderungsbilanz", wie es im Statistik-Jargon heißt, weist einen positiven Saldo von 12.000 Personen aus. Dazu kommt, dass im Vorjahr mehr Geburten als Sterbefälle gezählt wurden. Die Differenz betrug hier 2.500.

Genaue Aussagen zu den Zu- und Abwanderungen gäben die vorläufigen Daten noch nicht her, erklärte MA 23-Leiter Klemens Himpele am Freitag vor Journalisten. Vergleiche des Bevölkerungsstandes, also die Betrachtung der Wiener nach ihrem Geburtsland, sind aber bereits möglich. Von den 14.500 dazugekommenen Wienern stammen die meisten aus Rumänien - nämlich 2.100. Danach folgen Deutsche mit 1.900 und Österreicher mit 1.800.

Interessant laut Himpele: Die Personenanzahl aus für Wien klassischen Zuwanderungsländern stagniert oder schrumpft derzeit sogar. So gab es bei den Serben - sie stellen mit rund 90.000 Zugehörigen nach den Österreichern die größte Bevölkerungsgruppe in der Hauptstadt - 2019 keine Änderung. Bei den dahinter gereihten Türken (rund 66.000) nahm die Zahl sogar um 300 ab. Anders als in den Jahren der großen Fluchtbewegung haben zuletzt auch Menschen aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan recht wenig zum Einwohnerplus beigetragen. Das Wachstum betrug hier 2.500 und lag damit in etwa auf dem Niveau von 2012.

Insgesamt kletterte der Anteil der im Ausland geborenen Wiener 2019 um 0,4 Prozentpunkte auf knapp 37 Prozent. Damit liege die Donaumetropole in Sachen Diversität durchaus im Spitzenfeld, sagte Himpele. Dennoch: Die Statistiker rechnen auch in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht damit, dass hier die 40-Prozent-Quote erreicht wird. Ein Grund dafür ist nicht zuletzt, dass auch bei der ersten Gastarbeiter-Generation die Sterbefälle in absehbarer Zeit zunehmen werden.

Ein nicht uninteressantes Phänomen lässt sich innerhalb der einzelnen Generationen ausmachen. Denn die Gruppe der Über-80-Jährigen stieg 2019 um ganze neun Prozent an. "Das wird in den nächsten Jahren noch so weitergehen", prognostizierte Himpele. Die Erklärung: Die "Anschluss-Babyboomer" erreichen diese Altersgruppe. Gemeint ist damit der signifikante Anstieg der Geburtenrate ab Ende der 1930er-Jahre, der bis etwa 1944 angehalten habe, erklärte der Abteilungsleiter.

Sieht man sich Wien nach Bezirken an, zeigt sich, dass Wien - nicht ganz unüberraschend - vor allem in den Außenbezirken bzw. dort gelegenen Stadtentwicklungsgebieten überdurchschnittlich wächst. Die schon dicht verbauten Innenbezirke und hier vor allem die an sich nicht allzu einwohnerstarke City stagnieren bzw. schrumpfen indes sogar. Dieser Trend werde sich fortsetzen, meinte Himpele.

An der Annahme, dass Wien im Jahr 2027 die Zwei-Millionen-Marke überschreitet, hat sich nichts geändert. Die derzeitigen Vorausberechnungen der MA 23 reichen derzeit übrigens bis 2048. Aus jetziger Sicht wird Wien dann 2,18 Millionen Einwohner zählen.

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