17. Oktober 2019 07:27

Kultur

Yuja Wang und die Wiener Philharmoniker brillieren in Graz

Die Konzertsaison hat erst begonnen, schon ist es im Grazer Musikverein zu einem ersten Höhepunkt gekommen, der für die restliche Saison die Latte hoch legt. Die chinesische Pianistin Yuja Wang lieferte am Mittwoch ein rasant-brillantes Klavierkonzert von Rachmaninow, während die Wiener Philharmoniker unter Andres Orozco-Estrada bei Dvoraks Neunter Symphonie ihre Klasse einmal mehr bewiesen.

Wenn die zierliche Klaviervirtuosin Yuja Wang auf die Bühne kommt, bietet sie auch immer etwas fürs Auge: Diesmal erschien sie in einem pinkfarbenen Abendkleid, das abgesehen von einem hüfthohen Seitenschlitz und ein paar Streifen nackter Haut am Rücken geradezu klassisch-elegant wirkte. Der Eindruck zarter Mädchenhaftigkeit verfliegt bei ihr recht schnell, wenn man sieht, wie kraftvoll und zupackend sie die Tasten des Klaviers bearbeitet. Mit minimalen Fingerbewegungen, aber ganzem Körpereinsatz scheint sie die Musik aus sich heraussprudeln zu lassen.

Sergej Rachmaninows Klavierkonzert Nr.3 in d-Moll begann Wang mit ungemein weichem Anschlag, mit fast fragenden Tönen, denen sich die seidigen Streicher der Philharmoniker beigesellten. Dann ist es mit einem Schlag mit den zarten Arabesquen vorbei, und mit großer Bestimmtheit gibt Wang die Richtung vor.

Spätestens im zweiten Satz wird der rauschhafte Gestus zum Prinzip, da bleibt nichts offen und keiner zurück. Fast kokett lässt sie die tänzerischen Anklänge ertönen, strahlend und kraftvoll gestaltete sie das Finale. Anschließend beglückte Wang das jubelnde Publikum noch mit drei Zugaben.

Nach der Pause stand Antonin Dvoraks Symphonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt" auf dem Programm. Orozco-Estrada ist nicht unbedingt der große Gestalter, aber ein solider Verwalter des prachtvollen Materials, der über ein ordentliches Maß an Leidenschaft verfügt. Er ließ die Musik vorwärtsschreiten, stampfen, marschieren, dabei blieb der Klang immer transparent. Wunderschön gelang das berühmte Largo, jener langsame Satz, der vor lauter Sehnsucht und Gefühl oft kitschig wird. Nicht so bei den Philharmonikern, wo jedes Instrument - ob die Flöten, Klarinetten oder die Blechbläser - zu einem ruhig-klaren Ausdruck innerer Bewegtheit beitrug.

Hochkarätig geht es im Musikverein weiter: Noch vor Weihnachten geben sich hier unter anderem das Emerson String Quartet, Krassimira Stoyanova, Grigory Sokolov das Eggner Trio und Rene Pape ein Stelldichein.

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