9. Januar 2020 11:08

Politik

Zahl der Kinder im häuslichen Unterricht sinkt leicht

Die Zahl der zum häuslichen Unterricht angemeldeten Kinder ist in den vergangenen zehn Jahren leicht zurückgegangen. Laut der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ wurden 2018/19 sowie 2019/20 jeweils knapp 2.000 Schüler daheim unterrichtet. 2010/11 waren es noch rund 2.200 gewesen.

Grundsätzlich gibt es in Österreich keine Schulpflicht im eigentlichen Sinn. Kinder können auch Hausunterricht oder eine Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht besuchen. Dies muss der jeweiligen Bildungsdirektion (früher: Landesschulrat) nur angezeigt werden. Diese darf etwa Hausunterricht nur dann untersagen, "wenn mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die .... Gleichwertigkeit des Unterrichtes nicht gegeben ist". Am Ende des Schuljahrs ist außerdem an einer "normalen" Schule eine Externistenprüfung über den Unterrichtsstoff zu absolvieren.

Der leichte Einbruch könnte mit der Einführung der Deutschklassen zusammenhängen. In den Jahren bis 2017/18 waren jeweils zwischen 2.100 und 2.400 Kinder im häuslichen Unterricht. Mit der Einführung der Deutschklassen 2018/19 durften Kinder, die dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht ausreichend folgen können, aber nicht mehr in eine Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht oder häuslichen Unterricht ausweichen.

Die Zahlen aus den Bildungsdirektionen zeigen außerdem, dass Hausunterricht nicht in allen Bundesländern gleichmäßig verbreitet ist. So besuchen etwa im größten Bundesland Wien nur etwas weniger als 300 Kinder häuslichen Unterricht, während es in der kleineren Steiermark mehr als 300 und in Tirol ebenfalls mehr als 200 sind. "Hochburg" des Hausunterrichts ist aber Niederösterreich mit knapp 550 Kindern, während im etwa gleich schülerstarken Oberösterreich nur knapp 200 Kinder dafür angemeldet sind.

Auffällige Unterschiede gibt es auch bei den Erfolgsquoten bei den Externistenprüfungen, die die Kinder im Hausunterricht am Jahresende absolvieren müssen. Diese entscheiden darüber, ob auch im kommenden Schuljahr eine Anmeldung zum Hausunterricht zulässig ist. In der Steiermark bestehen praktisch alle Kinder die Prüfung (99,1 Prozent), während es auch in Niederösterreich mehr als 95 Prozent sind - also genau jene Länder, in denen der Hausunterricht besonders verbreitet ist. Umgekehrt schaffen in Tirol und Salzburg jeweils nur etwas mehr als drei Viertel der Kinder die Prüfung.

Auf die Frage von SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid, ob eine Änderung des derzeitigen Schulpflichtgesetzes geplant sei, heißt es in der Beantwortung nur: "Ja." Änderungen beim häuslichen Unterricht finden sich allerdings nicht explizit im Regierungsprogramm.

Die SPÖ will häuslichen Unterricht für Kinder nur mehr in Ausnahmefällen erlauben - etwa aus gesundheitlichen Gründen oder wenn Eltern im Ausland arbeiten. Alle anderen Kinder sollen in Zukunft eine Schule besuchen müssen, so Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid in einer der APA übermittelten Stellungnahme.

Dazu soll das Schulpflichtgesetz geändert werden. Es sei "bedauerlich, dass das Thema nicht im Regierungsprogramm verankert sei", meinte Hammerschmid. Sie werde es aber im Unterrichtsausschuss auf die Tagesordnung bringen.

Qualitätsvoller Unterricht könne im Rahmen der Schule mit dementsprechend ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern am besten gewährleistet werden, betonte die SPÖ-Bildungssprecherin. "Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass dies die Eltern - die in den meisten Fällen keine entsprechende Qualifikation haben - dies genauso gut könnten." Vor allem sollten Kinder auch ein Recht auf soziale Kontakte mit Klassenkameraden und soziales Lernen haben.

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