25. Dezember 2018 12:04

Politik

Zahl der Toten nach Angriff in Kabul auf 43 gestiegen

Bei einem der schwersten Anschläge in der afghanischen Hauptstadt Kabul in diesem Jahr sind mindestens 43 Menschen getötet worden. Zehn weitere Menschen seien bei der Attacke auf das Bauministerium und weitere Regierungsbüros verletzt worden, sagte ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums am Dienstag. Zu dem Anschlag vom Montag bekannte sich zunächst niemand.

Bewaffnete Männer hatten am Nachmittag ein Regierungsgelände in Kabul attackiert. Sie ließen zunächst eine Autobombe explodieren und stürmten dann das Gelände. Regierungsmitarbeiter rannten um ihr Leben, einige sprangen aus Fenstern, um sich in Sicherheit zu bringen. Hunderte Menschen waren in den Gebäuden eingesperrt, während sich die Angreifer über Stunden Schusswechsel mit den Sicherheitskräften lieferten.

Nach Regierungsangaben wurden mindestens drei Angreifer getötet, ein vierter sprengte sich mit dem Auto in die Luft. Mehr als 350 Menschen konnten schließlich befreit werden. Bei den meisten Opfern handelte es sich um Zivilisten. Es war der tödlichste Anschlag in Kabul seit einem Selbstmordanschlag im November mit mindestens 55 Toten.

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani erklärte, "Terroristen" würden zivile Ziele angreifen, "um ihre Niederlage auf dem Schlachtfeld zu verbergen". De-facto-Regierungschef Abdullah Abdullah machte die radikalislamischen Taliban für den Anschlag verantwortlich und erklärte, die Entschlossenheit der Regierung, die Taliban zu besiegen, wachse mit jedem Angriff der Islamisten.

Unterdessen sind bei Gefechten in zwei afghanischen Provinzen mindestens zwölf Sicherheitskräfte getötet worden. Mindestens acht Polizisten kamen in der östlichen Provinz Nangarhar ums Leben, nachdem Taliban-Kämpfer am späten Montagabend im Bezirk Bati Kot ihre Stellungen angegriffen hatten. Weitere zwölf seien verwundet worden, sagte der Sprecher der Provinzregierung, Attaullah Khogiani am Dienstag.

Vier Polizisten wurden zudem Montagnacht bei einem Taliban-Mörserangriff im Bezirk Gursiwan der nordwestlichen Provinz Fariab getötet, sagte der Provinzrat Sibchatullah Sellab am Dienstag.

Seit Monaten überziehen die Taliban und die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) Afghanistan mit einer Welle der Gewalt. Bemühungen, mit den Taliban über ein Ende des seit 17 Jahren anhaltenden Konflikts zu verhandeln, blieben bisher erfolglos.

Vergangene Woche wurde zudem bekannt, dass US-Präsident Donald Trump rund die Hälfte der etwa 14.000 in Afghanistan stationierten US-Soldaten abziehen will. Eine offizielle Ankündigung dafür gibt es allerdings noch nicht. Der Oberbefehlshaber der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, General Scott Miller, sagte am Sonntag, er habe keine Anweisung erhalten, Truppen abzuziehen.

Viele Afghanen befürchten, dass die Taliban nach einem Abzug von US-Soldaten angesichts der Schwäche der afghanischen Sicherheitskräfte wieder an die Macht kommen könnten.

© APA
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