14. November 2019 08:09

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Zucchero trotz neuem Sound mit Wärme

Zucchero, der "Vater des italienischen Blues", hat für sein neues Album seinen Sound erweitert. "D.O.C." bietet neben den gewohnten Gitarren u.a. auch elektronische Elemente. "Ich versuche immer, ich selbst zu bleiben, mich aber gleichzeitig zu erneuern", sagte der 64-Jährige im APA-Interview. Eines war dem Maestro aber wichtig: die Wärme beizubehalten. "Ich mag keine Kanten", betonte er.

"Wenn ich etwas mache, auch im privaten Leben, hat das immer Wärme", sagte Zucchero. "Das entspricht meinem Charakter. Ich kann überdreht und verrückt oder melancholisch und nachdenklich sein. Aber egal in welchem Gemütszustand ich bin, geht es mir um Wärme. Aggression und Arroganz hasse ich. Darum sammle ich Oldtimer, weil ich deren sanfte, geschwungene Formen mag. Die modernen Autos mit all den Kanten sagen mir nicht zu." Auf die Musik umgelegt, bedeute das: "Darum klingen auch meine flotteren Songs nicht kantig, sondern warm."

Manche etablierten Acts mögen sich auf ein Erfolgsrezept verlassen, für den als Adelmo Fornaciari geborenen "Mister Sugar" gelten andere Grundsätze: "Ich habe noch nie ein Album gemacht, das genauso klingt wie das davor. Ich habe mir also gut überlegt, welchen Sound 'D.O.C.' haben könnte. Er sollte organisch sein, denn das habe ich schon immer geliebt. Also haben mein Produzent Don Was und ich im Hauptraum des Studios den organischen Part aufgenommen - mit echten Drums, echten Gitarren, echten Keyboards und echtem Gospelchor. Aber ich wollte auch experimentieren mit jungen Produzenten. In den vergangenen Jahren fand ja ein Generationenwechsel statt und es gibt einige neue Künstler, die wirklich viel Soul haben. Wir haben ihnen das Fundament der Songs gegeben und sie konnten in einem Nebenraum dieses ganz ohne Einschränkungen bearbeiten - also zum Beispiel ein paar elektronische Dinge hinzufügen. Am Abend haben wir uns dann alle zusammengesetzt und die unterschiedlichen Ingredienzen zusammengeführt, um den Sound zu erzielen, der mir von Anfang an vorschwebte."

Kommerzielles Kalkül spielt da keine Rolle: "Ich bin 64, ich habe mehr als 14 Alben gemacht, Songs für andere Künstler geschrieben, und ich toure weiterhin um die ganze Welt. Es gibt keinen Grund für mich, auf die Charts zu schauen", betonte Zucchero. "Schon gar nicht, wenn sich Musik nicht mehr so verkauft wie vor zehn oder gar 20 Jahren. Ich kann nicht mit der Musik wettbewerbsfähig sein, die heute die Charts dominiert. Diese Musik unterschiedet sich sehr von dem, wie ich denke, wie Musik sein sollte. Ich sage nicht, dass sie schlecht oder gut ist, sie ist nur anders. Wenn ich damit konkurrieren wollte, dann würde ich mit meinen 64 Jahren versuchen, auf Teenager zu machen", lachte der Italiener. "Das wäre lächerlich. Ich orientiere mich daher nicht an den Charts oder an dem, was im Radio läuft, sondern an meinem Gefühl. Aber zugleich versuche ich, aktuell zu klingen - aber eben mit meinem Stil."

Über "D.O.C." meinte Zucchero mit einem breiten Grinsen: "Das ist ein einfaches komplexes Album oder ein komplexes einfaches Album. Denn es ist poppiger als die anderen, es enthält trotzdem immer noch Soul, Rhythm and Blues, Gospel und ein paar progressive Töne. Aber natürlich, das ist kein Blues-Album. Man muss dieses Album mehrmals hören, dann entdeckt man einiges unter der Oberfläche. Darum sagte ich 'einfach, aber komplex'."

Im nächsten Jahr geht Zucchero wieder auf ausgiebige Tournee. "Wir starten am 19. April in Australien, dann geht es über Neuseeland, Nordamerika, Kanada und England in Richtung Österreich", sagte der Musiker. Konkret gastiert er am 31. Oktober 2020 in Innsbruck (Olympiaworld), am 1. November in Graz (Stadthalle) und am 4. November in der Stadthalle Wien. "Über das Bühnenbild kann ich noch nichts sagen, darüber mache ich mir erst in ein paar Wochen Gedanken", so Zucchero. "Aber es wird mich mehr oder weniger die gleiche Band begleiten, wir hatten Spaß und die Vibes waren gut. Natürlich bringe ich Sachen vom neuen Album plus Hits. Außerdem singe ich gerne Lieder, die ich schon länger nicht gesungen habe. Ich habe das Glück, dass viele Musiker dieser Band seit Jahren dabei sind und ich das Programm eine Stunde vor der Show noch umstellen kann, weil sie mein Material so gut beherrschen."

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