22. Dezember 2018 14:40

Chronik

Zwei Festnahmen nach Drohnen-Alarm bei Flughafen Gatwick

Nach den Drohnen-Störaktionen über dem Londoner Flughafen Gatwick hat die britische Polizei zwei Verdächtige gefasst. Nach Polizeiangaben wurden ein Mann und eine Frau am späten Freitagabend in der Grafschaft Sussex wegen des Verdachts auf "kriminellen Einsatz von Drohnen" festgenommen. Der Flugbetrieb in Gatwick normalisierte sich am Samstag allmählich wieder.

Bei den festgenommenen Verdächtigen handelt es sich um einen 47-jährigen Mann und eine 54-jährige Frau aus der Umgebung. Sie stammen nach Polizeiangaben vom Samstag aus der englischen Stadt Crawley, die nur etwa acht Kilometer vom Airport entfernt liegt. Beide wurden in Crawley am späten Freitagabend festgenommen, wie die Polizei der Grafschaft Sussex mitteilte. "Unsere Ermittlungen gehen weiter", sagte Kommissar James Collins. Über das mögliche Motiv der Verdächtigen äußerte sich die Polizei allerdings noch nicht.

Wegen Drohnen-Flügen über dem Airportgelände war der Flugbetrieb auf dem Großflughafen seit Mittwochabend zwei Mal unterbrochen worden. Tausende Flüge fielen aus, rund 140.000 Fluggäste waren betroffen. Nach Angaben eines Flughafensprechers waren am Samstag 757 Flüge mit 124.484 Passagieren vorgesehen. Verspätungen und Streichungen seien wegen des Durcheinanders der vergangenen Tage allerdings nicht auszuschließen.

Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, weiterhin wachsam zu sein und verdächtige Beobachtungen der Polizei zu melden: "Jede Ermittlungsspur wird verfolgt, bis wir sicher sind, dass wir weitere Risiken für die Sicherheit der Passagiere abwenden können."

Am Freitagmorgen war der Flugverkehr nach fast 36 Stunden Pause wieder aufgenommen worden. Dutzende Drohnensichtungen hatten am Mittwochabend zu der Unterbrechung geführt. Nach einer erneuten Sichtung am Freitagabend wurden die Flüge noch einmal für kürzere Zeit ausgesetzt. Insgesamt gab es mehr als 50 Drohnensichtungen.

Verkehrsminister Chris Grayling sprach bei der BBC von einem "beispiellosen Vorgang". Es müsse schnell aufgeklärt werden, was passiert sei, um die "Lehren daraus zu ziehen". Verkehrsstaatssekretärin Elizabeth Sugg kündigte "neue Maßnahmen" gegen den missbräuchlichen Einsatz von Drohnen an. Mit den Herstellern gebe es Gespräche über mögliches Geo-Tracking, um Drohnenflüge über Verbotszonen zu verhindern. Kritiker werfen der Regierung vor, dem Drohnenproblem nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet zu haben.

Die Zeitung "The Times" berichtete am Samstag, Grayling habe eine für dieses Jahr vorgesehene Gesetzgebung zum besseren Schutz von Flughäfen vor Drohnen auf die lange Bank geschoben. Der Abgeordnete Andy McDonald, Verkehrsexperte der oppositionellen Labour-Partei, beklagte im BBC-Radio, dass es trotz Versprechungen keine neuen Gesetze gegeben habe.

Bereits jetzt ist es jedoch in Großbritannien verboten, Drohnen in der Nähe von Flugzeugen und Flughäfen aufsteigen zu lassen, außerdem dürfen sie nicht höher als 122 Meter fliegen. Bei Zuwiderhandlung drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Die Polizei hatte die Vermutung geäußert, dass mit den Drohnen gezielt Störungen im Flugbetrieb herbeigeführt werden sollten. Für einen terroristischen Hintergrund sah sie jedoch keine Hinweise. Die Armee stellte Spitzentechnologie zur Verfügung, um den Fluggeräten auf die Spur zu kommen. An der Suche nach dem Drohnenlenker waren mehr als 20 Polizeieinheiten und dutzende örtliche Sicherheitskräfte beteiligt.

Der Flughafen London Gatwick liegt südlich der britischen Hauptstadt und ist der zweitgrößte des Landes nach Heathrow. Jedes Jahr werden dort 45 Millionen Passagiere abgefertigt, obwohl der Flughafen nur über eine Start- und Landebahn verfügt.

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